Der Machtkampf um die zweitgrößte deutsche Privatbank steuert auf seine Richtungsentscheidung zu. Während die italienische Großbank UniCredit schrittweise ihren Einfluss ausbaut, setzt die Bundesregierung strenge Leitplanken für einen möglichen Zusammenschluss. Gleichzeitig versucht das Frankfurter Geldhaus, sich mit operativen Rekordwerten und einer milliardenschweren Kapitalrückgabe als eigenständige Kraft zu behaupten.
Machtverschiebung im Aktionariat
Die Ausgangslage für die italienischen Fusionspläne hat sich seit dem Sommer grundlegend verändert. Beim Übernahmeangebot von UniCredit, das am 8. Juli endete, wurden den Italienern 17,6 Prozent der Commerzbank-Aktien angedient.
Lediglich 2,7 Prozent davon stammten von unabhängigen institutionellen Investoren und Privatanlegern. Dennoch verschafft sich das Institut aus Mailand nach der ausstehenden behördlichen Genehmigung den Zugriff auf knapp 50 Prozent der Stimmrechte.
Die Bundespolitik begegnet diesen Ambitionen mit deutlichen Vorbehalten. Bundesfinanzminister Klingbeil empfing den UniCredit-Vorstandsvorsitzenden Andrea Orcel am vergangenen Montag zu Übernahmegesprächen in Berlin. Das Treffen wurde von beiden Seiten als konstruktiv beschrieben, doch die Hürden der Bundesregierung sind hoch gesteckt.
Bereits am vergangenen Samstag forderte die Bundesregierung eine Frankfurter Notierung bei einer möglichen UniCredit-Übernahme (seither minus 1,0 Prozent). Zudem besteht Berlin auf dem Erhalt des Konzernsitzes in Frankfurt, der Fortführung des deutschen und internationalen Mittelstandsgeschäfts, dem Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen sowie zwei Aufsichtsratsmandaten für den Bund.
Rekordgewinne und Aktienrückkäufe stützen Abwehrkurs
Die Frankfurter Führung kann bei ihrem Widerstand gegen einen Kontrollverlust auf starke operative Zahlen verweisen.
Das Nettoergebnis lag bei 913 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr peilt das Management einen Überschuss von mindestens 3,4 Milliarden Euro an.
Um den Börsenwert zu stützen, startete die Commerzbank ihr Aktienrückkaufprogramm vor rund zwei Wochen (seither plus 1,6 Prozent). Das von der Europäischen Zentralbank und der Deutschen Finanzagentur genehmigte Vorhaben umfasst ein Volumen von bis zu 1,2 Milliarden Euro und läuft bis spätestens 10. Februar 2027. Es ist Teil einer für das Geschäftsjahr 2026 vorgesehenen Gesamtkapitalrückgabe von rund 3,2 Milliarden Euro.
Analysten heben Ziele an
An den Märkten wird das Ringen um die Bank aufmerksam verfolgt. Seit Jahresanfang verzeichnet das Papier ein Plus von 18 Prozent und notiert vorbörslich bei 42,49 Euro.
Die Analysten von J.P. Morgan passten ihre Einschätzung am 8. September an. Das Institut hob das Kursziel für die Commerzbank von 38,00 Euro auf 39,00 Euro an und stufte die Aktie unverändert mit „Neutral“ ein.
Zur Begründung verwiesen die Experten auf die Zinsentwicklung im Euroraum, die bessere Perspektiven für das Ergebnis je Aktie eröffne. Ob die Commerzbank ihren eigenständigen Kurs langfristig verteidigen kann, hängt nun maßgeblich von den weiteren Verhandlungen zwischen Berlin und Mailand ab.
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