Die Übernahmeschlacht um die Commerzbank nimmt eine entscheidende Wendung: Die Europäische Zentralbank neigt einem vertraulichen Papier zufolge dazu, UniCredits Antrag auf eine Mehrheitsbeteiligung an dem deutschen Institut zu genehmigen.
Bloomberg berichtete am Mittwoch über die Einschätzung der Notenbank, die zugleich vor einem „herausfordernden und langwierigen“ Integrationsprozess warnt, sollte der italienische Konzern tatsächlich das Ruder übernehmen.
Die Aktie reagierte verhalten auf die Nachricht und schloss am Freitag bei 39,85 Euro, ein Minus von 0,2 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 1,7 Prozent zu Buche, binnen 30 Tagen sogar von 4,4 Prozent. Damit notiert das Papier nur noch 0,6 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 40,11 Euro, das am Donnerstag markiert wurde.
Bafin hat Weg für EZB-Prüfung freigemacht
Vorausgegangen war ein formaler Schritt der deutschen Finanzaufsicht: Die Bafin bestätigte am 4. August die Vollständigkeit von UniCredits Antrag auf eine Beteiligung von mehr als 30 Prozent und leitete das Verfahren an die EZB weiter. Damit liegt die eigentliche Entscheidungsgewalt nun bei der Notenbank in Frankfurt, deren Votum Marktbeobachtern zufolge im September oder Oktober erwartet wird.
Parallel dazu hat sich der Ton zwischen den beiden Führungsspitzen deutlich entspannt. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp signalisierte Ende Juli intern Offenheit für einen Austausch mit UniCredit, nachdem der Vorstand ein Übernahmeangebot ursprünglich abgelehnt hatte.
Anfang August kam es dann zu ersten formellen Gesprächen zwischen Orlopp und UniCredit-Chef Andrea Orcel, in denen es um bilanzielle, rechtliche und risikobezogene Fragen sowie die künftige Strategie ging. UniCredit selbst hatte bis zum Ende der Annahmefrist am 3. Juli 17,6 Prozent der Commerzbank-Aktien eingesammelt.
Rekordzahlen stützen die Verhandlungsposition
Dass sich Orlopp in den Gesprächen mit Orcel nicht aus einer Position der Schwäche heraus bewegt, zeigen die vor rund zwei Wochen vorgelegten Geschäftszahlen. Der Nettogewinn im zweiten Quartal kletterte um 94 Prozent auf 898 Millionen Euro und übertraf damit die Analystenerwartungen von 845 Millionen Euro deutlich.
Für das erste Halbjahr insgesamt stieg der Gewinn um 40 Prozent auf 1,81 Milliarden Euro, die Eigenkapitalrendite erreichte mit 12,6 Prozent einen Rekordwert. Die Bank hob daraufhin ihre Nettogewinnprognose für das laufende Jahr auf mindestens 3,4 Milliarden Euro an und kündigte ein Rückkaufprogramm über 1,2 Milliarden Euro an. Seither hat die Aktie um 3,4 Prozent zugelegt.
Die Kombination aus starken operativen Zahlen und einer Übernahmeperspektive treibt auch die Analystenmeinungen. Am Donnerstag hob die DZ Bank ihr Kursziel von 42 auf 46 Euro an und bestätigte die Kaufempfehlung. Analyst Philipp Häßler sieht damit weiteres Aufwärtspotenzial, selbst nach dem bereits erfolgten Kursanstieg der vergangenen Wochen.
Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Einerseits untermauern die Quartalszahlen die eigenständige Ertragskraft der Bank, andererseits hängt die mittelfristige Kursentwicklung maßgeblich vom Ausgang des Übernahmeverfahrens ab. Mit einem RSI von 62,4 und einem Abstand von 13 Prozent zum 200-Tage-Durchschnitt zeigt das technische Bild bislang keine Anzeichen von Überhitzung, trotz der Rally der vergangenen Monate.
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