Commerzbank Aktie: UniCredit scheitert bei 17,60 Prozent

UniCredit scheitert mit Übernahmeangebot, Commerzbank erhöht Gewinnziel auf 3,4 Milliarden Euro und plant hohe Ausschüttungen.

Auf einen Blick:
  • UniCredit-Übernahmeangebot gescheitert
  • Gewinnziel auf 3,4 Milliarden Euro angehoben
  • Fast vollständige Gewinnausschüttung geplant
  • Jefferies erhöht Anteil auf über 10 Prozent

Die Commerzbank-Aktie notiert am Mittwoch bei 38,47 Euro und legt damit um 1,77 Prozent zu. Der Kurs bewegt sich knapp zwei Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 39,18 Euro, das die Aktie Mitte Juli markierte. Damit bleibt die Bank trotz eines gescheiterten Übernahmeangebots eine der gefragtesten deutschen Bankaktien – der Machtkampf um ihre Zukunft ist damit aber keineswegs beendet.

Übernahmeangebot gescheitert, Machtfrage offen

UniCredit ist mit seinem öffentlichen Übernahmeangebot für die Commerzbank gescheitert. Nach Ablauf der Annahmefrist wurden lediglich 17,60 Prozent der Aktien angedient, wie die Commerzbank und Reuters übereinstimmend berichteten. Bemerkenswert dabei: Weniger als zwei Prozent dieser Quote stammten laut Unternehmensangaben von unabhängigen institutionellen oder privaten Anlegern. Die Botschaft der Aktionäre an UniCredit war damit unmissverständlich.

Trotz des formalen Scheiterns bleibt die italienische Großbank der entscheidende Machtfaktor. Laut dpa-AFX kontrolliert UniCredit rechnerisch weiterhin 44,4 Prozent der Commerzbank-Anteile, wenn man Derivate und Kaufoptionen mitrechnet. Der eigentliche Hebel liegt jedoch bei der Europäischen Zentralbank: Für eine Stimmrechtsausübung jenseits der 10-Prozent-Marke benötigt UniCredit weiterhin die regulatorische Freigabe der Aufsicht. Solange diese aussteht, bleibt die Frage nach der künftigen Eigentümerstruktur der Commerzbank offen.

Politisch gewinnt das Thema an Fahrt. Bloomberg und Der Aktionär berichteten Mitte Juli, dass sich die Bundesregierung auf konkrete Verhandlungen mit UniCredit über die Zukunft der Bank vorbereitet. Im Zentrum stehen dabei Standortgarantien für Frankfurt und der Erhalt einer eigenständigen Kreditversorgung für den deutschen Mittelstand – Kernanliegen, die Berlin offenbar als Bedingung für eine Duldung einer weiteren Annäherung UniCredits formuliert.

Auch aus einer anderen Ecke wächst der Einfluss auf die Aktionärsstruktur: Die US-Investmentbank Jefferies Financial Group hat ihre Stimmrechtsanteile an der Commerzbank von 9,91 auf 10,02 Prozent aufgestockt und damit die meldepflichtige Schwelle von 10 Prozent überschritten, wie aus einer WpHG-Pflichtmitteilung hervorgeht.

Erhöhtes Gewinnziel und mehr Kapital für Aktionäre

Operativ liefert die Commerzbank unterdessen Argumente, die auch unabhängig vom Übernahmepoker für die Aktie sprechen. Der Vorstand hat das Gewinnziel für das Geschäftsjahr 2026 angehoben und peilt nun ein Nettoergebnis von mindestens 3,4 Milliarden Euro an – zuvor war von mehr als 3,2 Milliarden Euro die Rede. Flankiert wird die angehobene Guidance von einer deutlich aggressiveren Ausschüttungspolitik: Für die Geschäftsjahre 2026 bis 2028 will die Bank nach eigenen Angaben nahezu 100 Prozent des Gewinns nach AT1-Kupons über Dividenden und Aktienrückkäufe an die Aktionäre zurückgeben, wie aus einer Mitteilung an Investoren und einem Bericht des Handelsblatts hervorgeht. Für das abgeschlossene Geschäftsjahr 2025 hatte die Hauptversammlung im Mai bereits einer Dividende von 1,10 Euro je Aktie zugestimmt.

Parallel treibt die Bank die technologische Modernisierung voran. Nach eigenen Angaben hat sie Google Cloud Gemini Enterprise und Microsoft 365 Copilot produktiv in die Arbeitsprozesse integriert, um die operative Effizienz zu steigern.

Blick nach vorn: Quartalszahlen am 6. August

Der nächste wichtige Termin für Anleger ist bereits terminiert: Am 6. August veröffentlicht die Commerzbank ihre Quartalszahlen für das zweite Quartal 2026. Die Zahlen dürften nicht nur Aufschluss über die operative Entwicklung geben, sondern auch als Stimmungstest dienen – für eine Aktie, die zwischen politischem Übernahmepoker, aufgestocktem Gewinnziel und einer immer noch ungeklärten Aktionärsstruktur navigiert. Bis zur EZB-Entscheidung über UniCredits Stimmrechte dürfte die Unsicherheit über die langfristige Eigentümerfrage der Bank bestehen bleiben.

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