Das Übernahmeangebot von UniCredit ist abgelaufen — und die Commerzbank zieht eine klare Bilanz. Nur ein Bruchteil der freien Aktionäre hat das Angebot angenommen. Die Frankfurter sprechen von einer bestätigten Loyalität ihrer Kernaktionärsbasis.
Wer hat wirklich angedient?
Insgesamt wurden 12,51 % der Commerzbank-Aktien eingereicht. Doch die Zusammensetzung ist aufschlussreich. Institutionelle Anleger steuerten lediglich 1,29 % bei, Privatanleger gerade einmal 0,05 %. Den Löwenanteil von 11,17 % lieferten Banken.
Die Commerzbank vermutet dahinter keine echte Verkaufsbereitschaft. Sie geht davon aus, dass diese Banken über Derivategeschäfte mit UniCredit zur Andienung verpflichtet waren. Mit anderen Worten: Das Gros der angedienten Aktien war kein freiwilliges Ja zum Angebot.
UniCredit-Chef Andrea Orcel hatte zuvor Aussagen gemacht, die die Commerzbank als widersprüchlich bezeichnete. Die heutige Stellungnahme ist eine direkte Reaktion darauf.
UniCredit hält dennoch fast 40 Prozent
Trotz der mageren Resonanz hat UniCredit ihren Anteil ausgebaut. Die Italiener hielten vor dem Angebot bereits 26,77 % der Commerzbank-Aktien. Nach Anrechnung der angedienten Papiere kommt UniCredit auf 39,28 %. Rechnet man Optionen und weitere Finanzinstrumente hinzu, beziffert UniCredit ihr wirtschaftliches Engagement auf 42,5 %.
Das ist kein Triumph — aber auch kein Rückzug. UniCredit bleibt mit Abstand größter Einzelaktionär.
Commerzbank setzt auf Eigenständigkeit
Die Bank hält an ihrer Strategie „Momentum 2030“ fest. Im Mai 2026 präsentierte sie aktualisierte Ziele: eine Nettoeigenkapitalrendite von 21 % und ein Nettoergebnis von 5,9 Mrd. Euro bis 2030. Das Management sieht darin einen Wachstumspfad mit geringerem Risiko als eine Fusion.
Die Commerzbank-Aktie notiert aktuell bei 37,50 Euro — ein Plus von rund 38 % gegenüber dem Stand vor zwölf Monaten. Das 52-Wochen-Hoch von 38,85 Euro, erreicht am 19. Juni, liegt nur knapp über dem aktuellen Kurs.
UniCredit muss nun entscheiden, was sie mit einem Anteil von fast 40 % anfängt — ohne Mehrheit, aber mit erheblichem Einfluss. Eine erneute Offerte, ein Einlenken oder ein jahrelanger Schwebezustand: Alle drei Szenarien sind realistisch.
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