Commerzbank-Aktie: UniCredit macht ernst!

UniCredit-Chef Orcel setzt ultimativ auf vollständige Kontrolle über die Commerzbank. Ohne diese droht eine strategische Pause, während politische Widerstände in Deutschland und Italien bestehen.

Auf einen Blick:
  • Tauschangebot für Commerzbank soll laut Berichten am 5. Mai starten
  • Ohne vollständige Kontrolle plant Orcel eine strategische Pause von 12 bis 18 Monaten
  • 100-Prozent-Übernahme würde Kapital um rund 200 Basispunkte belasten
  • Politischer Gegenwind aus Deutschland hält an, Gerüchte über Sitzverlegung dementiert

Nach 18 Monaten Anlauf, unzähligen Gerüchten und politischem Gegenwind aus Berlin soll es nun endlich so weit sein: UniCredit-Chef Andrea Orcel peilt den 5. Mai als Startdatum für das formelle Tauschangebot an die Commerzbank-Aktionäre an. So berichtet es jedenfalls die italienische Zeitung La Repubblica. Ob das Datum hält, ist eine andere Frage.

Der Knackpunkt heißt Kontrolle

Orcel hat seine Position gegenüber Bloomberg TV klar formuliert: Ohne vollständige Kontrolle über die Commerzbank macht das Ganze für UniCredit schlicht keinen Sinn. Dann lieber Pause, 12 bis 18 Monate, das eigene Aktienrückkaufprogramm über 4,75 Milliarden Euro wieder hochfahren und Kapital für andere Gelegenheiten aufbauen.

Die Zahlen dahinter sind nüchtern: Eine vollständige Übernahme würde die Kapitalquote von UniCredit um rund 200 Basispunkte belasten, bei einem 50-Prozent-Anteil sogar um 280 Basispunkte. Laut Milano Finanza hält das Haus das noch für tragbar. Ob die Aktionäre das genauso sehen, steht auf einem anderen Blatt.

Frankfurt hat nicht geliefert

Der Dialog mit der Commerzbank-Führung ist nach Angaben von UniCredit ohne Durchbruch zu Ende gegangen. Orcel sagt, man habe „alles Notwendige“ getan. Jetzt liege der Ball bei den Aktionären der Commerzbank. Das ist die höfliche Variante von: Wir warten nicht ewig.

Ohne Kontrolle bleiben die Synergien, auf die UniCredit die gesamte Transaktion aufgebaut hat, unsicher. Und ein Minderheitsanteil an einer deutschen Großbank, ohne Einfluss auf Strategie und Kosten, ist für Orcel offensichtlich kein attraktives Szenario.

Commerzbank AG Aktie Chart

Politisch bleibt es kompliziert

In Deutschland hat sich Friedrich Merz zwar grundsätzlich offen gezeigt gegenüber grenzüberschreitenden Bankenfusionen, bleibt aber vorsichtig. Matteo Salvini meidet das Thema. Und in Italien fragt Marco Osnato, Vorsitzender des Finanzausschusses, laut, ob die Regierung eingreifen sollte, falls nationale Interessen berührt werden. Das Golden-Power-Instrument hat dabei enge Grenzen, aber die politische Nervosität ist spürbar.

Die Gerüchte über eine mögliche Verlagerung des Konzernsitzes nach Deutschland, befeuert von deutschen Politikern und Gewerkschaften, hat UniCredit derweil klar dementiert. Man bleibe in Italien. Das war wohl das Einfachste an diesem ganzen Dossier.

Der 5. Mai als Datum mit Fragezeichen

Dass Orcel ein konkretes Datum nennt, ist neu. Bisher war das Tauschangebot immer kurz vor dem Start stecken geblieben, regulatorisch, politisch oder taktisch. Nun also der 5. Mai. Wenn der Termin hält, beginnt die entscheidende Phase für die Commerzbank-Aktionäre. Wenn nicht, dürfte die strategische Pause früher kommen als gedacht.

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