Die Übernahmegespräche zwischen der italienischen UniCredit und der Commerzbank entwickeln sich zu einer harten Auseinandersetzung über Führungspositionen und staatlichen Einfluss. Laut Reuters lehnt UniCredit ab, dass Commerzbank-Vorstandschefin Bettina Orlopp und Aufsichtsratschef Jens Weidmann ihre Ämter im Falle eines Zusammenschlusses behalten. Zudem stellt sich das Institut gegen zwei Aufsichtsratsmandate für den Bund.
Am 14. September hatte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil dem UniCredit-Vorstandschef Andrea Orcel die deutschen Kernforderungen für eine mögliche Übernahme übermittelt. Demnach soll die Commerzbank weiterhin börsennotiert bleiben, ihren Sitz in Frankfurt behalten und die Finanzierung deutscher Mittelständler fortführen.
Bereits am 11. September wurde deutlich, dass die Bundesregierung die deutsche Identität des Instituts sowie Arbeitsplätze schützen will, während die italienische Großbank eine Übernahme vorbereitet.
Uneinigkeit über Posten und Ausrichtung
An der Spitze der Commerzbank herrscht Zurückhaltung gegenüber einem Kontrollverlust. Bettina Orlopp bestätigte am 2. September direkte Gespräche mit UniCredit. Zugleich stellte sie klar, dass eine volle Amtszeit bis 2029 für sie nur dann sinnvoll sei, wenn sie sich mit dem Aufsichtsrat auf eine gemeinsame Strategie verständigen könne.
Zur Stärkung der eigenen Position setzt das Frankfurter Institut auf eine direkte Bedienung der Aktionäre: Vor rund zwei Wochen startete ein Aktienrückkaufprogramm über bis zu 1,2 Milliarden Euro (seither -0,9 Prozent). Die Maßnahme sieht wie bei den beiden vorherigen Programmen den Einzug der erworbenen Papiere vor und läuft bis spätestens 10. Februar 2027.
Analysten heben ihre Kursziele an
Am Kapitalmarkt zeigt sich der Titel trotz der offenen Machtfrage stabil. Im aktuellen Handel notiert die Commerzbank-Aktie bei 41,66 Euro und bewegt sich damit in Reichweite ihres 52-Wochen-Hochs von 43,34 Euro.
Laut Reuters hob das Analysehaus JPMorgan am 8. September sein Kursziel für den Titel auf 39 Euro an und bestätigte das Rating mit „Neutral“. Bereits am 7. September passte das Bankhaus Metzler Medienberichten zufolge sein Kursziel nach oben an, da die Experten ein höheres Potenzial beim Nettozinsertrag sehen.
Ob die Commerzbank eigenständig bleibt oder UniCredit den Widerstand in Frankfurt und Berlin bricht, bleibt die entscheidende Frage für die künftige Bewertung des Bankhauses.
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