Nach dem Ende des Übernahmeangebots hält UniCredit inzwischen 47,6 Prozent des Kapitals und 49,7 Prozent der Stimmrechte an der Commerzbank. Das ist der Stand vom 13. Juli 2026. Der Bund, der zwölf Prozent der Anteile hält, lehnt einen Verkauf weiterhin ab. Damit bleibt die Machtfrage bei der Frankfurter Bank ungeklärt, während sich das Institut zugleich gegen einen Angreifer wehrt und operative Baustellen abarbeitet.
Übernahmepoker ohne klares Ende
Die tatsächliche Annahmequote des Übernahmeangebots lag zum 9. Juli bei nur 12,51 Prozent, und der Großteil davon stammte von Banken statt von unabhängigen Investoren. Die BaFin zwang UniCredit zudem, Short-Derivate offenzulegen – die tatsächliche wirtschaftliche Beteiligung dürfte damit kleiner ausfallen, als die Kapitalquote suggeriert. Commerzbank wirft dem italienischen Konkurrenten eine künstliche Aufblähung seiner Position vor. Der Vorstand um CEO Bettina Orlopp kämpft weiter um die Eigenständigkeit des Instituts. Die Gewerkschaft Verdi warnt derweil vor bis zu 10.000 möglichen Stellenstreichungen, betont aber, dass betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen bleiben.
Visa statt Mastercard, höhere Ziele als Verteidigung
Parallel zum Übernahmestreit treibt die Commerzbank den Wechsel ihres Kartenportfolios von Mastercard zu Visa voran, eine bereits im Februar 2025 angekündigte Partnerschaft, die nun in Tranchen umgesetzt wird. Kunden, die dem Wechsel nicht zustimmen, riskieren eine Kündigung ihrer Karte. Wer bei Mastercard bleiben will, braucht künftig ein Premiumkonto für 12,90 Euro im Monat statt der günstigeren Standardgebühr. Orlopp setzt ihre Verteidigungsstrategie zudem auf moderate Stellenstreichungen und angehobene Finanzziele im Rahmen des Programms Momentum 2030. Erschwerend kommt hinzu, dass die EZB seit Juli 2026 einen zusätzlichen Kapitalpuffer von zwei Prozent für Gewerbeimmobilienkredite verlangt – eine Vorgabe, die den Spielraum für Ausschüttungen einschränkt.
Linde-Klage und Blick auf die Zahlen
Zu den laufenden Belastungen zählt eine gemeinsame Klage von Deutsche Bank, HVB und Commerzbank gegen den Industriegasekonzern Linde. Grund ist ein 2022 wegen Sanktionen gescheitertes Russland-Projekt in Ust-Luga, für das die Banken Bankgarantien gestellt hatten. Die Gesamtforderungen der drei Institute belaufen sich auf rund 800 Millionen Euro, der Anteil der Commerzbank liegt bei etwa 100 Millionen Euro. Der Prozess der Deutschen Bank vor dem Landgericht Frankfurt beginnt an diesem 14. Juli 2026 und dürfte richtungsweisend für die parallelen Verfahren sein. Anleger blicken zudem auf den 6. August 2026, wenn die Commerzbank ihre Zahlen für das zweite Quartal vorlegt.
Kurs behauptet sich nahe Rekordniveau
An der Börse zeigt sich das Institut robust. Am Montag schloss die Aktie bei 38,45 Euro, nach einem Plus von 0,92 Prozent auf Wochensicht und 6,33 Prozent auf Monatssicht. Seit Jahresbeginn steht ein Zuwachs von 5,31 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sind es 33,51 Prozent. Der Titel notiert damit nur 1,03 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 38,85 Euro vom 19. Juni 2026 und liegt 36,93 Prozent über dem Tief von 28,08 Euro vom Juli 2025. Auch gegenüber dem 50-Tage-Durchschnitt von 36,97 Euro und dem 200-Tage-Durchschnitt von 34,44 Euro notiert die Aktie im Plus, mit einem Abstand von 3,99 beziehungsweise 11,64 Prozent. Der RSI von 59,4 signalisiert keine Überhitzung, die 30-Tage-Volatilität liegt bei 22,90 Prozent. Die Marktkapitalisierung beläuft sich auf 42,37 Milliarden Euro – ein Wert, der zeigt, wie viel für UniCredit auf dem Spiel steht, sollte der Übernahmeversuch doch noch Fahrt aufnehmen.
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