Fast die Hälfte der Stimmrechte hält UniCredit inzwischen an der Commerzbank. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft hat einen zentralen Vorwurf der Bank gegen ihren italienischen Großaktionär fallen lassen. Der Übernahmepoker erreicht damit eine neue Phase.
Die Commerzbank-Aktie markierte am 14. Juli mit 38,77 Euro ein neues Zehn-Jahres-Hoch. Zum Schlusskurs von 38,11 Euro liegt das Papier nur 2,73 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 39,18 Euro. Auf Jahressicht steht ein Plus von 34,05 Prozent zu Buche.
UniCredit rückt an die 50-Prozent-Marke heran
UniCredit meldet nach eigenen Angaben rund 47,6 Prozent am Kapital der Commerzbank. Wegen stimmrechtsloser eigener Aktien der Commerzbank entspricht das sogar 49,65 Prozent der Stimmrechte. Rechnerisch hält die italienische Großbank gut 44 Prozent direkt, über Kaufoptionen kommen weitere rund vier Prozentpunkte hinzu.
Das ist der größte Schritt Richtung Kontrolle seit dem Einstieg im September 2024. Die vollständige Kontrolle fehlt UniCredit trotzdem noch. Dafür braucht die Bank die Zustimmung der Europäischen Zentralbank und weitere Mehrheiten.
Die Struktur des ursprünglichen Angebots erklärt aus Sicht von Beobachtern einen Teil des Widerstands unter den Aktionären. UniCredit hatte im Mai 2026 ein reines Aktientauschangebot vorgelegt: 0,485 eigene Papiere je Commerzbank-Aktie, ohne Barkomponente. Der rechnerische Angebotswert lag zudem lange unter dem Börsenkurs der Commerzbank. Unabhängige Aktionäre hatten damit kaum einen Anreiz zum Tausch.
Staatsanwaltschaft lehnt Ermittlungen ab
Ein zentraler Vorwurf der Commerzbank gegen ihren Großaktionär hat sich juristisch nicht erhärten lassen. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt lehnte am 9. Juli ein Ermittlungsverfahren wegen möglicher Marktmanipulation ab. Es fehlten zureichende Anhaltspunkte für eine Straftat.
Der Streit um die Zahlen bleibt damit eine Frage der Interpretation, nicht der Strafbarkeit. Die Commerzbank selbst zieht die Aussagekraft der hohen Andienungsquote weiterhin in Zweifel. Nach eigenen Daten zur Aktionärsstruktur entfielen weniger als zwei Prozent auf institutionelle und private Anleger. Der Rest stamme überwiegend von Banken und Parteien im Umfeld der UniCredit — auffällig sei zudem ein ungewöhnlicher Anstieg der Wertpapierleihe.
Aufsichtsrat und Hauptversammlung 2027 als nächste Hürden
Selbst mit einer rechnerischen Mehrheit hat UniCredit-Chef Andrea Orcel sein eigentliches Ziel noch nicht erreicht. Für eine Fusion mit der Commerzbank braucht er 75 Prozent der Stimmen auf der Aktionärsversammlung. Erst müsste UniCredit in Deutschland die behördlichen Genehmigungen für den Vollzug des Aktientauschs erhalten.
Schon mit der aktuellen Position könnte die Bank aber erheblichen Einfluss ausüben. UniCredit rechnet vor, mittlerweile 44,37 Prozent der Aktien sowie Kaufoptionen über weitere 3,22 Prozent zu halten. Mit dieser Position könnten die Mailänder schon die nächste Hauptversammlung der Commerzbank im Jahr 2027 dominieren.
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hält trotz der gewachsenen UniCredit-Position an ihrem Kurs der Eigenständigkeit fest. Die Bundesregierung unterstützt sie dabei als zweitgrößter Aktionär. Das Management verweist auf die operative Stärke des Instituts: Seit Start der „Momentum“-Strategie im Februar 2025 hat sich der Aktienkurs verdoppelt. Das Geschäftsjahr 2025 wurde zum Rekordjahr in der 156-jährigen Geschichte der Bank.
Ausblick
Der Aktienkurs profitiert derzeit von zwei Faktoren gleichzeitig: der Übernahmefantasie und dem operativen Rekordjahr. Mit einem RSI von 54,7 und einem Abstand von 10,42 Prozent zum 200-Tage-Durchschnitt zeigt das Papier keine Anzeichen von Überhitzung. Die eigentliche Machtfrage zwischen UniCredit, der Commerzbank-Führung und der Bundesregierung bleibt unterdessen ungeklärt.
Die Commerzbank will ihre Quartalszahlen für das zweite Quartal 2026 im August vorlegen. Das dürfte neue Impulse für den weiteren Kursverlauf liefern.
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