UniCredit hat fast die Hälfte der Stimmrechte an der Commerzbank in der Tasche. Trotzdem bleibt die Frankfurter Bank auf Konfrontationskurs. Der Grund: Für eine echte Fusion reicht die aktuelle Mehrheit bei weitem nicht.
UniCredit knackt fast die 50-Prozent-Marke
Am 3. Juli 2026 lief das Tauschangebot der Italiener aus. Das Ergebnis: 17,6 Prozent der Commerzbank-Anteile wurden angedient. Zusammen mit bereits gehaltenen Beteiligungen und derivativen Instrumenten kontrolliert UniCredit nun rund 47,59 Prozent der Aktien. Das entspricht rechnerisch 49,65 Prozent der Stimmrechte.
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp lässt sich davon nicht beeindrucken. Sie verweist darauf, dass weniger als zwei Prozent der eingereichten Aktien von unabhängigen Investoren stammen. Den Großteil ordnet sie dem Umfeld von UniCredit selbst zu. Ihre Botschaft: Die Abwehrstrategie ist nicht gescheitert, die Bank bleibt eigenständig.
Warum 50 Prozent nicht reichen
Für eine echte Fusion oder einen Beherrschungsvertrag braucht UniCredit deutlich mehr. Das deutsche Recht schreibt eine Mehrheit von 75 Prozent des vertretenen Kapitals vor. Davon ist die Bank aus Mailand weit entfernt.
Orlopp verweist zudem auf eine rechtliche Pflicht: Ohne Beherrschungsvertrag muss der Vorstand die Eigenständigkeit der Commerzbank wahren. UniCredit-Chef Andrea Orcel steht damit vor einem Dilemma. Entweder er gewinnt Commerzbank-Management, Arbeitnehmervertreter und den Bund für seine Pläne. Oder er kauft am freien Markt massiv nach.
Der Bund blockiert, die EZB prüft
Beide Wege wirken derzeit verbaut. Die Bundesregierung hält weiterhin rund 12 Prozent der Commerzbank-Anteile und nennt das Vorgehen der Italiener „inakzeptabel“. Damit sitzt Berlin an einer Schlüsselposition für die nötige 75-Prozent-Mehrheit.
Der Betriebsrat droht zusätzlich mit Konsequenzen. Kommt es zur feindlichen Übernahme, will er die konstruktive Zusammenarbeit aufkünden. Parallel fehlt noch die Zustimmung der Europäischen Zentralbank zur Überschreitung wichtiger Beteiligungsschwellen. Eine Entscheidung wird bis September 2026 erwartet, ein Abschluss des gesamten Prozesses aber nicht vor 2027.
Immerhin eine Klärung gibt es bereits. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hatte wegen möglicher Marktmanipulation ermittelt. Sie teilte nun mit, kein formelles Verfahren einzuleiten – die Prüfung ergab keine ausreichenden Anhaltspunkte für eine Straftat.
Aktie bleibt in Reichweite des Jahreshochs
Die Commerzbank-Aktie schloss gestern bei 37,76 Euro. Zum 52-Wochen-Hoch von 38,85 Euro vom 19. Juni fehlen nur 2,81 Prozent. Auf Zwölfmonatssicht steht ein Plus von 30,21 Prozent zu Buche, allein in den vergangenen 30 Tagen legte das Papier um 4,54 Prozent zu.
Der RSI von 55 zeigt keine Überhitzung. Das Papier notiert 2,55 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt – ein stabiles technisches Bild.
Am eigentlichen Machtverhältnis ändert das nichts. Solange Bund und Arbeitnehmerseite eine Fusion blockieren und UniCredit die 75-Prozent-Schwelle nicht erreicht, bleibt die Pattsituation bestehen. Die EZB-Entscheidung im September dürfte den nächsten wichtigen Wendepunkt markieren – bis dahin bewegt sich der Übernahmekampf vor allem auf juristischem und politischem Terrain.
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