Die Frist ist abgelaufen, die Antwort steht noch aus. Am Freitag endete die verlängerte Annahmefrist für das Übernahmeangebot der UniCredit an die Commerzbank. Jetzt wartet der Markt auf Zahlen, die alles verändern könnten.
UniCredit hält schon 41 Prozent
Die italienische UniCredit kontrolliert laut aktuellen Marktberichten bereits einen direkten Stimmrechtsanteil von über 40 Prozent an der Commerzbank. Rechnet man Derivate hinzu, liegt der Gesamtzugriff bei rund 41 Prozent. Die endgültige Offenlegung der angedienten Aktien folgt am Mittwoch, den 8. Juli.
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp bleibt bei ihrer Ablehnung. Sie fordert die Aktionäre weiterhin auf, das Angebot nicht anzunehmen. Einen offiziellen Abschluss der Transaktion erwarten Experten frühestens 2027 – vorausgesetzt, die Regulatoren geben grünes Licht.
Der politische Druck wächst unterdessen. EZB-Vizepräsident Luis de Guindos warnte zuletzt vor nationalen Widerständen gegen grenzüberschreitende Bankenfusionen in Europa. Das erhöht den Handlungsdruck auf die Bundesregierung im Umgang mit der UniCredit-Offerte.
Die EZB dreht an der Zinsschraube
Parallel zum Übernahmepoker hat sich das geldpolitische Umfeld verschoben. Die EZB hob den Leitzins am 11. Juni auf 2,25 Prozent an – die erste Erhöhung seit September 2023. Grund ist die Inflation, die im Juni bei 2,8 Prozent lag.
Das EZB-Direktorium deutete bereits weitere Zinsschritte an. Die nächsten Sitzungen finden am 23. Juli und am 10. September statt. Für Banken wie die Commerzbank ist das eine gute Nachricht: Höhere Leitzinsen verbessern in der Regel die Nettozinsmargen.
Genau dieses Umfeld stützt aktuell die fundamentale Bewertung der Aktie. Die Zinswende trifft also mitten in die entscheidende Phase des Übernahmekampfs.
Charttechnik: Stabil trotz Nervosität
Die Commerzbank-Aktie schloss am Freitag bei 37,79 Euro, ein Minus von 0,16 Prozent. Zum 52-Wochen-Hoch von 38,85 Euro, erreicht am 19. Juni, fehlen nur 2,73 Prozent. Auf Sicht von zwölf Monaten steht ein Plus von 34,48 Prozent zu Buche.
Der RSI liegt bei 57,4 – neutral, weder überkauft noch überverkauft. Das lässt der Aktie Raum für Bewegung in beide Richtungen. Mit einem Abstand von 10,36 Prozent zum 200-Tage-Durchschnitt von 34,24 Euro bleibt der langfristige Aufwärtstrend intakt.
Auf 30-Tage-Sicht steht ein Plus von 4,10 Prozent, die Woche selbst verlief mit 0,29 Prozent nahezu unverändert. Diese Ruhe dürfte am Mittwoch enden.
Zwei Termine bestimmen die kommende Handelswoche. Erstens die Veröffentlichung der finalen Andienungsquote am 8. Juli – ein Ereignis mit Volatilitätspotenzial. Zweitens das allgemeine Marktumfeld: Der DAX notiert nahe seiner Rekordstände, was der Commerzbank-Aktie zusätzlichen Rückenwind geben könnte, sollte sich die freundliche Stimmung fortsetzen.
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