Diese Übernahmeschlacht hat eine neue Qualität erreicht. Nicht mehr nur Zahlen und Kursziele, sondern gegenseitige Vorwürfe, Regulatoren im Hintergrund und die Frage, ob man dem anderen überhaupt noch glauben darf. UniCredit hat zuletzt bekanntgegeben, dass Commerzbank-Aktionäre ihr inzwischen 10,91 Prozent der Aktien angedient haben, nach 7,58 Prozent in der Vorwoche. Zusammen mit dem bereits direkt gehaltenen Anteil von 26,77 Prozent ergibt das rechnerisch 37,68 Prozent, also deutlich über der 30-Prozent-Schwelle, die die Italiener mit ihrem freiwilligen Übernahmeangebot anpeilen.
Warum überhaupt andienen?
Das ist die eigentlich interessante Frage. UniCredits Angebot liegt unter dem aktuellen Börsenkurs der Commerzbank-Aktie. Wer also andient, gibt seine Aktien zu einem schlechteren Preis ab, als er am Markt bekäme. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hat das auch klar benannt: Es mache wirtschaftlich keinen Sinn, das Angebot anzunehmen, wenn man die Aktie teurer verkaufen und dafür günstiger UniCredit-Papiere kaufen könne.
Und genau hier liegt der Knackpunkt, den Frankfurt nun öffentlich macht.
Keine einzige institutionelle Annahme
Die Commerzbank hat eine bemerkenswert harte Aussage in den Raum gestellt: Nach eigenen Angaben konnte bislang keine einzige Angebotsannahme eines institutionellen Investors identifiziert werden. Die Summe aller Annahmen von Privatanlegern entspreche einem Anteil von lediglich rund 0,05 Prozent. Der Rest, also fast die gesamte angezeigte Annahmequote von 10,91 Prozent, stamme von Banken und mit ihnen verbundenen Parteien, von denen einige bekannte Derivate-Gegenparteien von UniCredit seien.
Das ist kein kleiner Vorwurf. Das ist der Versuch, die gesamte Zahl als Konstrukt darzustellen.
UniCredit kontert scharf
Die Antwort aus Mailand ließ nicht lange auf sich warten. Jede Andeutung, UniCredit habe Offenlegungskategorien absichtlich vermischt, um die wahrgenommene Angebotsunterstützung künstlich aufzublähen, sei ohne jede tatsächliche oder rechtliche Grundlage, so die Bank. Man stehe im transparenten Dialog mit der deutschen Finanzaufsicht BaFin und habe sich stets an die gesetzlichen Anforderungen gehalten.
Zusätzlich hat UniCredit in der jüngsten Pflichtmitteilung klargestellt, dass weitere gehaltene Derivate der Absicherung von Kursrisiken auf die Commerzbank-Position dienten, nicht der Verschleierung von Stimmrechten.
Das Angebot läuft noch bis zum 16. Juni, eine Verlängerung bis zum 3. Juli behält sich UniCredit vor. Ob am Ende 30 Prozent oder mehr Prozent stehen, hängt wohl auch davon ab, wie die BaFin die Derivate-Frage bewertet. Und die schweigt bislang.
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