Bei der Commerzbank richtet sich der Blick nicht allein auf UniCredits Übernahmepläne, sondern auch auf deren Folgen für die Bewertung. RBC Capital Markets begründete seine Herabstufung am 2. Oktober mit höheren Eigenkapitalkosten und schwerer kalkulierbaren Risiken. Damit steht für Anleger die Frage im Mittelpunkt, wie viel Unsicherheit die Aktie neben dem Übernahmethema verkraftet.
RBC setzt vorsichtigeren Bewertungsmaßstab
Medienberichten zufolge stufte RBC Capital Markets die Commerzbank von „Outperform“ auf „Sector Perform“ herab. Die Begründung verbindet einen höheren Bewertungsanspruch mit den Unsicherheiten rund um UniCredit. Es geht damit nicht allein um die Aussicht auf eine Transaktion, sondern ebenso um die Risiken ihrer weiteren Entwicklung.
Das Analysehaus senkte sein Kursziel von 43 auf 40 Euro. Das ist eine vorsichtigere Einschätzung, keine Aussage über einen bereits eingetretenen Ausgang der Übernahmepläne. Die schwerere Kalkulierbarkeit der Risiken bildet einen wesentlichen Teil der Begründung.
Für Anleger ist diese Unterscheidung wichtig: Eine mögliche Übernahme und eine attraktiv bewertete Aktie sind nicht automatisch dasselbe. RBCs Schritt macht deutlich, dass sich die Unsicherheit auch im Bewertungsmaßstab niederschlagen kann.
Wettbewerbsprüfung liefert einen Terminanker
Laut Reuters hat UniCredit die Transaktion zur wettbewerbsrechtlichen Prüfung angemeldet. Die EU-Kommission setzte den 16. November als Frist für ihre Entscheidung über die Übernahmepläne für die Commerzbank.
Der Termin gibt dem Verfahren einen konkreten Bezugspunkt. Er beantwortet aber noch nicht die Frage nach dem Ergebnis. Ebenso wenig lässt sich aus der Anmeldung eine bereits erteilte Genehmigung ableiten. Die von RBC angesprochenen Risiken und der regulatorische Zeitplan betreffen daher unterschiedliche Ebenen derselben Übernahmekonstellation.
Rückkäufe ersetzen keine Risikobewertung
Die Commerzbank meldete vor gut einer Woche den Erwerb von 1.871.048 eigenen Aktien innerhalb des berichteten Wochenzeitraums. Insgesamt belief sich die Zahl der im laufenden Rückkaufprogramm erworbenen Aktien bis zum Ende dieses Zeitraums auf 8.126.141.
Der Rückkauf ist eine konkrete Kapitalmaßnahme der Bank. Er liefert jedoch keine Antwort auf die wettbewerbsrechtliche Prüfung oder die von RBC genannten Bewertungsrisiken.
Für die Einordnung der Aktie sollten Anleger deshalb die Umsetzung des Rückkaufprogramms, den regulatorischen Termin und den vorsichtigeren Bewertungsansatz getrennt betrachten. Entscheidend ist nicht allein, dass sich etwas bewegt, sondern welche Unsicherheit der jeweilige Schritt tatsächlich verringert.
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