Im Ringen um die Zukunft der Commerzbank rücken die konkreten Strukturmodelle für ein mögliches Zusammengehen mit der italienischen UniCredit in den Mittelpunkt. Auf der BofA Financials CEO Conference in London hat Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp das Spektrum denkbarer Transaktionswege abgesteckt.
Drei Szenarien für einen Zusammenschluss
Im Raum stehen im Wesentlichen drei Pfade. Die erste Variante sieht eine klassische Direktfusion beider Institute vor. Als zweite Option gilt ein formelles Angebot an die freien Aktionäre der Commerzbank, das mit einer Bar- oder Aktienprämie verbunden sein könnte. Sollte UniCredit dabei die Schwelle von 90 Prozent des Grundkapitals überschreiten, stünde der Weg für einen anschließenden Squeeze-out der verbliebenen Minderheitsaktionäre offen.
Das dritte Modell kehrt die Übernahmerichtung formal um: Die Commerzbank könnte die deutsche UniCredit-Tochter HypoVereinsbank übernehmen und den Kaufpreis mit neuen eigenen Aktien begleichen.
In diesem Fall würde der Mailänder Konzern zum dominierenden Commerzbank-Großaktionär werden. Nach aufsichtsrechtlichen Freigaben könnte UniCredit ihren Anteil an der Commerzbank auf über 47 Prozent aufstocken und über den Markt die Schwelle von 50 Prozent überschreiten.
Hohe Hürden auf der Hauptversammlung
Unabhängig vom gewählten Modell sind die verfassungsrechtlichen und gesellschaftsrechtlichen Hürden hoch. Für eine Umsetzung der Integrationsvarianten ist eine Mehrheit von mindestens 75 Prozent auf der Commerzbank-Hauptversammlung zwingend erforderlich.
Entscheidendes Gewicht kommt dabei der deutschen Bundesregierung zu, die mit einem Anteil von 13 Prozent zweitgrößte Anteilseignerin des Frankfurter Geldhauses ist. Berlin strebt Berichten zufolge zwei Sitze im Aufsichtsrat der Bank an.
Ein abgestimmtes Vorgehen mit dem Bund gilt für das Management daher als wesentliche Voraussetzung für jeden weiteren Integrationsschritt. Neben einer gütlichen Einigung oder einem Vorziehen von Entscheidungen auf eine außerordentliche Hauptversammlung bleibt auch das Abwarten bis zum Ende der regulären Amtszeiten im Mai 2027 als taktische Option auf dem Tisch.
Zeitplan hängt an der EZB
Vor einer operativen Weichenstellung müssen jedoch die Aufsichtsbehörden entscheiden. Ein Votum der Europäischen Zentralbank wird für Mitte Oktober 2026 erwartet. Zusätzliche behördliche Freigaben könnten sich bis zum Jahresende oder in das erste Quartal 2027 hineinziehen.
Orlopp hält einen tatsächlichen Integrationsbeginn Anfang 2027 für praktikabler, da die ersten Monate des neuen Jahres dann als eine Art Testphase für die gemeinsame Struktur dienen könnten.
An der Börse wird die Entwicklung aufmerksam verfolgt. Die Commerzbank-Aktie legte heute um 0,9 Prozent auf 41,95 Euro zu und verzeichnet seit Jahresbeginn ein Kursplus von 16 Prozent. Der Markt wartet nun vor allem auf das regulatorische Signal aus Frankfurt im kommenden Monat.
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