Die Übernahmeschlacht um die Commerzbank bekommt eine neue Wendung. Vorstandschefin Bettina Orlopp signalisierte am Freitag erstmals offen Gesprächsbereitschaft gegenüber UniCredit und erklärte, eine Übernahme durch den italienischen Rivalen könne für beide Seiten von Vorteil sein. Zugleich lehnte sie einseitige Schritte ab und forderte eine gemeinsam erarbeitete Strategie, bevor es zu konkreten Verhandlungen kommt.
Der Kurswechsel der Commerzbank-Chefin fällt in eine Phase, in der das Institut operativ so stark performt wie selten zuvor. Im ersten Halbjahr 2026 erzielte die Bank ein Nettoergebnis von 1,8 Milliarden Euro. Allein im zweiten Quartal stieg der Gewinn auf 897 Millionen Euro, nach 208 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Die harte Kernkapitalquote lag bei 14,4 Prozent, die Aufwand-Ertrags-Relation verbesserte sich auf rund 50 Prozent. Die Europäische Zentralbank genehmigte zudem ein Rückkaufprogramm über 1,2 Milliarden Euro – ein Signal, dass die Bank trotz der Übernahmedebatte an eigener Kapitalrückführung festhält.
UniCredit hält fast die Hälfte der Anteile
Der italienische Großaktionär treibt sein Vorhaben seit September 2024 voran, als er zunächst neun Prozent an der Commerzbank erwarb. Inzwischen kontrolliert UniCredit 48 Prozent der Anteile. Ein Umtauschangebot sah 0,485 UniCredit-Aktien pro Commerzbank-Aktie vor, was einem Wert von rund 30,8 Euro entsprach – ein Aufschlag von vier Prozent auf den Kurs vom 13. März. Die Commerzbank lehnte im April ein Übernahmeangebot in Höhe von 35 Milliarden Euro ab. Die BaFin prüft derzeit Ansprüche im Zusammenhang mit einem Tender-Anteil von 7,58 Prozent.
UniCredit-Chef Andrea Orcel drängt auf Tempo: Er will ab Januar eine konkrete Roadmap vorlegen und schließt notfalls eine außerordentliche Hauptversammlung nicht aus. Orcel strebt zudem direkte Gespräche mit der Bundesregierung an, die über die staatliche KfW rund zwölf Prozent an der Commerzbank hält und das Institut nach eigener Darstellung unterstützt. Bundeskanzler Merz verzichtet zwar auf eine formelle Blockade der Übernahme, kritisierte aber das Vorgehen von UniCredit. Zwischen Rom und Berlin bleibt damit erheblicher politischer Spielraum offen, während sich die operative Position der Commerzbank durch die starken Quartalszahlen stetig verbessert.
Aktie nahe am Jahreshoch
Die Commerzbank-Aktie schloss am Freitag bei 39,17 Euro und legte im Tagesverlauf um 1,61 Prozent zu. Damit notiert das Papier nur noch 1,71 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 39,85 Euro, das erst am Donnerstag markiert wurde. Die Kombination aus Rekordgewinnen und der neuen Gesprächsbereitschaft der Vorstandschefin hat dem Kurs zuletzt zusätzlichen Schub gegeben – Investoren scheinen die Chancen einer einvernehmlichen Lösung inzwischen höher zu gewichten als das Risiko eines eskalierenden Übernahmekonflikts. Für die weitere Kursentwicklung dürfte entscheidend sein, ob Orlopp und Orcel tatsächlich in ernsthafte Verhandlungen über eine gemeinsame Strategie eintreten oder ob die Fronten zwischen Mailand, Frankfurt und Berlin erneut verhärten.
Commerzbank-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Commerzbank-Analyse vom 08. August liefert die Antwort:
Die neusten Commerzbank-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Commerzbank-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 08. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
