Die Fusion zwischen Commerzbank und UniCredit gilt als beschlossene Sache – doch über die Bedingungen wird noch heftig gestritten. Wie Bloomberg und die Börsen-Zeitung gestern berichteten, lehnt Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp zentrale Pläne von UniCredit-Chef Andrea Orcel ab, insbesondere tiefe Einschnitte im internationalen Netzwerk der Bank. Orcel wiederum soll gedroht haben, Orlopp und ihr Führungsteam abzulösen.
Erste formelle Gespräche zwischen den beiden CEOs fanden bereits am 11. August statt, dabei ging es um bilanzielle, rechtliche und risikobezogene Fragen der bevorstehenden regulatorischen Konsolidierung durch UniCredit. Die bisherigen Verhandlungen drehten sich vor allem um technische Folgen eines Kontrollwechsels. Beide Manager halten jedoch an ihren strategischen Positionen fest, was einer raschen Einigung im Wege steht.
Berlin öffnet sich für einen Verkauf
Neue Bewegung kommt aus der Bundesregierung. Laut Bloomberg und Börsen-Zeitung signalisierten Regierungsvertreter gestern Kompromissbereitschaft für einen Verkauf des 12,7-Prozent-Anteils an UniCredit – vorausgesetzt, sich beide Institute auf eine gemeinsame Strategie verständigen.
Einige Beamte betrachten einen Verkauf zum richtigen Preis samt entsprechender Zusicherungen inzwischen als akzeptables Ergebnis, zumal UniCredit ohnehin die Kontrolle erlangen dürfte.
Diese Haltung markiert einen weiteren Schritt in einem längeren Kurswechsel. Bereits im Juli hatte Bundeskanzler Friedrich Merz erklärt, man werde die Fusion nicht verhindern – nachdem die Bundesregierung zuvor jahrelang den Abwehrkurs der Commerzbank-Führung mitgetragen hatte.
Über ein Übernahmeangebot hatte sich UniCredit im August bereits Zugriff auf einen erheblichen Teil der Anteile gesichert; mit grünem Licht der Aufsichtsbehörden würde der Anteil deutlich über die Kontrollmehrheit steigen.
Machtfrage bleibt ungeklärt
Der Kern des Konflikts liegt in der künftigen Ausrichtung der fusionierten Bank. Orlopp hatte bereits Anfang August erklärt, sie sei zu konstruktiven Gesprächen mit UniCredit bereit, betonte aber, nur ein gemeinsamer Ansatz habe das Potenzial, Mehrwert zu schaffen. Zum Zeitplan äußerte sie sich zuversichtlich: Man gehe davon aus, dass es im vierten Quartal alle nötigen Genehmigungen geben werde.
Ob Orlopp dann noch am Ruder ist, bleibt nach den jüngsten Drohungen aus Mailand offen. Der Machtkampf um die Führung der fusionierten Bank dürfte damit zum entscheidenden Faktor werden, wenn es um die konkrete Ausgestaltung der Integration geht – von Filialnetz bis internationalem Geschäft.
Solide Zahlen als Verhandlungsbasis
Die operative Stärke der Commerzbank gibt Orlopp in den Gesprächen Rückhalt. Vor rund zwei Wochen hatte das Institut Rekordzahlen für das erste Halbjahr vorgelegt, seither hat die Aktie um 2,4 Prozent zugelegt. Die Eigenkapitalrendite kletterte auf einen historischen Bestwert, das Gewinnziel für das Gesamtjahr von mindestens 3,4 Milliarden Euro sieht die Bank weiter voll auf Kurs.
Am Markt zeigt sich das Papier trotz der ungeklärten Machtfrage robust: Nachdem die EZB am vergangenen Sonntag signalisiert hatte, keine Einwände gegen die Übernahme zu haben, gab die Aktie zwar um 1,0 Prozent nach, notiert aber weiterhin rund 37 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief und nur 1,6 Prozent unter dem Rekordhoch.
Die Marktkapitalisierung liegt bei knapp 43 Milliarden Euro. Anleger dürften den Streit zwischen Orlopp und Orcel als Randnotiz eines ohnehin feststehenden Zusammenschlusses werten – die eigentliche Frage ist, wer am Ende die fusionierte Bank führt.
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