Die angestrebte Commerzbank-Übernahme hat trotz konstruktiver Gespräche noch nicht alle Hürden genommen. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil bezeichnete am Freitag den Austausch mit UniCredit über wichtige Bedingungen als konstruktiv.
Eine abschließende Einigung ergibt sich daraus nicht. Für Anleger stehen damit die noch ausstehenden Entscheidungen und Bedingungen im Mittelpunkt – nicht allein die bereits erteilte aufsichtsrechtliche Erlaubnis zum Beteiligungsausbau.
Gespräche und Wettbewerbsprüfung bleiben entscheidend
Laut dpa-AFX sollte die EU-Kommission voraussichtlich bis zum 16. November über die Pläne entscheiden. Die wettbewerbsrechtliche Prüfung ist damit ein wesentlicher nächster Schritt für das Vorhaben. Der Termin ist als Erwartung zu verstehen, nicht als bereits feststehende Genehmigung.
Klingbeils Äußerung signalisiert Gesprächsbereitschaft. Sie bedeutet jedoch weder einen Abschluss der Verhandlungen über wichtige Bedingungen noch eine Zusage der Wettbewerbsbehörde. Für die Commerzbank bleibt deshalb entscheidend, ob aus den konstruktiven Gesprächen auch erfüllte Voraussetzungen für die geplante Kontrollübernahme werden.
Am Donnerstag hatte UniCredit mitgeteilt, dass die EZB einen Ausbau der Commerzbank-Beteiligung über 30 Prozent hinaus und ohne Obergrenze genehmigt habe. UniCredit erwartet, die verbleibenden Genehmigungen und Bedingungen bis Jahresende abzuschließen und anschließend rund 50 Prozent der Stimmrechte zu halten.
Diese Zielsetzung beschreibt den angestrebten Zustand. Sie ist nicht mit einer bereits erreichten Stimmrechtsposition gleichzusetzen. Auch die EZB-Erlaubnis ersetzt die noch ausstehende Entscheidung der EU-Kommission nicht.
Orlopps Zeitplan lässt Spielraum
Commerzbank-Vorstandsvorsitzende Bettina Orlopp hatte am Mittwoch laut Handelsblatt erklärt, sie erwarte die aufsichtsrechtlichen Genehmigungen für UniCredits Kontrollübernahme noch in diesem Jahr oder spätestens Anfang 2027.
Damit enthält ihre Einschätzung einen zeitlichen Spielraum über den von UniCredit angestrebten Jahresabschluss hinaus. Beide Aussagen bleiben Erwartungen. Anleger sollten deshalb zwischen dem gewünschten Abschluss der Voraussetzungen und deren tatsächlicher Erfüllung unterscheiden.
Rückkäufe laufen neben dem Übernahmeprozess
Unabhängig davon meldete die Commerzbank am 12. Oktober den Erwerb von 2.987.942 eigenen Aktien im zuletzt gemeldeten Rückkaufzeitraum. Seit Beginn des laufenden Programms summierten sich die Käufe auf 11.114.083 Aktien.
Das Rückkaufprogramm läuft damit parallel zum Übernahmeprozess. Die Meldung dokumentiert eine tatsächlich vollzogene Maßnahme der Bank, während der weitere Kontrollaufbau durch UniCredit noch an Voraussetzungen gebunden ist.
RBC Capital Markets erhöhte am Dienstag das Kursziel von 40 auf 41 Euro und beließ die Einstufung auf „Sector Perform“. Die höhere Zielmarke ging somit nicht mit einer besseren Bewertung einher. Für die weitere Einordnung der Commerzbank bleibt der Fortschritt bei Genehmigungen und Bedingungen der zentrale Nachrichtenfaktor.
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