Die Commerzbank-Aktie hat sich am Donnerstag auf 40,99 Euro verteuert, ein Plus von 1,7 Prozent zum Vortag. Damit nähert sich das Papier seinem 52-Wochen-Hoch von 41,11 Euro und liegt nur noch rund 0,3 Prozent darunter. Seit Jahresbeginn beträgt das Kursplus 14 Prozent, auf Sicht von zwölf Monaten sind es 28 Prozent.
Getragen wird die Bewertung von Rekordgewinnen und wachsenden Provisionserträgen, die den stagnierenden Zinsüberschuss kompensieren. Für 2026 plant das Institut eine Kapitalrückgabe von rund 3,2 Milliarden Euro an die Aktionäre. Analysten sehen die positiven Faktoren allerdings bereits weitgehend eingepreist und rechnen mit begrenztem weiterem Kurspotenzial.
UniCredit hält fast die Hälfte
Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht weiterhin die Beteiligung von UniCredit. Der italienische Konkurrent hat seinen Anteil an der Commerzbank seit 2024 auf fast 50 Prozent ausgebaut, nachdem die EZB grünes Licht gegeben hatte. Der Bund hält aktuell noch 12,7 Prozent an der Commerzbank. Sollte er diesen Anteil künftig veräußern, könnte UniCredit rechnerisch die Marke von 60 Prozent überschreiten.
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp bestätigte laufende Gespräche mit UniCredit. Beim Bankengipfel in Frankfurt am Dienstag sprach sie von einer konstruktiven Strategie zur Wertmaximierung und mahnte zugleich, die Situation nicht zu „vermasseln“.
Ihr Vertrag läuft bis 2029. UniCredit treibt parallel den Rückzug aus dem Russland-Geschäft voran – ein Verkauf von Teilen an einen Investor aus den Vereinigten Arabischen Emiraten soll bis zur ersten Jahreshälfte 2027 abgeschlossen sein.
UniCredit expandiert auch in Italien
Während die Commerzbank-Frage ungeklärt bleibt, zeigt sich UniCredit auch auf dem heimischen Markt aktiv. Laut Berichten von Milano Finanza prüft der Konzern Übernahmen der Banca del Mezzogiorno und der CariOrvieto.
Erstere erzielte 2025 einen Gewinn von 31,83 Millionen Euro bei rund 220 Filialen und wird auf etwa 600 Millionen Euro taxiert, CariOrvieto mit rund 40 Filialen und knapp 11 Millionen Euro Gewinn auf über 100 Millionen Euro.
Angebote sollen bis Ende September vorliegen, unter den Wettbewerbern werden unter anderem Credem und Crédit Agricole genannt. Die parallelen Aktivitäten unterstreichen, dass UniCredit seine Expansionsstrategie auf mehreren Feldern gleichzeitig vorantreibt.
Branchenumfeld bleibt anspruchsvoll
Eine Studie von BearingPoint zeichnet für den deutschen Bankensektor ein zwiespältiges Bild: Die Institute seien so stabil wie nie, mit einer gestiegenen CET1-Quote, doch die Problemkredite haben zwischen 2019 und 2025 um 87 Prozent zugelegt.
Deutsche Banken weisen zudem mit 8,6 Prozent eine niedrigere Eigenkapitalrendite auf als der europäische Durchschnitt von 10,4 Prozent, bei einer höheren Kostenquote von 54,8 Prozent gegenüber 52,7 Prozent im europäischen Schnitt.
Zusätzlichen Gegenwind liefert das Zinsumfeld: Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen kletterte am Donnerstag auf ein 15-Jahres-Hoch von 3,35 Prozent, während eine EZB-Zinserhöhung im September als nahezu sicher gilt. Für die Commerzbank bleibt damit die strategische Frage rund um UniCredit der entscheidende Kurstreiber – die operative Stärke des Instituts gerät angesichts der Übernahmespekulationen zunehmend in den Hintergrund.
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