UniCredit-Chef Andrea Orcel geht auf die Mittelständler zu. Die Zusage an Firmenkunden kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Übernahme der Commerzbank konkrete Formen annimmt. Die Aktie gab im Xetra-Handel zeitweise um 0,94 Prozent auf 38,04 Euro nach.
Was UniCredit zusagt
Man werde die Unterstützung für Firmenkunden ausbauen, teilte Orcel schriftlich mit. Dabei wolle man auf den bestehenden Netzwerken und gewachsenen Kundenbeziehungen von HVB und Commerzbank aufbauen. Die Stärken beider Banken würden nicht gebündelt, „um weniger für die deutschen Unternehmen zu leisten“, heißt es in der Mitteilung.
Als Argument führt UniCredit ihre Präsenz in 14 europäischen Märkten an, darunter Italien, Österreich, Mittel- und Osteuropa sowie Griechenland. Deutsche Unternehmen erhielten so leichteren Zugang zu zusätzlichen Märkten und internationaler Expertise. Orcel sagte, er stehe persönlich dafür ein, dass den Worten Taten folgen.
Der Druck aus Berlin
Die Mitteilung richtet sich auch an die Politik. Der Bund hält gut 13 Prozent und ist damit zweitgrößter Einzelaktionär der Commerzbank. Er pocht darauf, dass die Bank ihre Rolle bei der Finanzierung von Wirtschaft und Mittelstand weiter erfüllt.
UniCredit hat sich Zugriff auf knapp die Hälfte der Anteile gesichert. Die Bankenaufsicht der EZB hat jüngst die Genehmigung zur Kontrollübernahme erteilt. Zugleich sieht UniCredit bei einem Zusammengehen Potenzial für Einsparungen in Milliardenhöhe. Das schließt den Abbau Tausender Stellen ein. Orcel will zudem das Auslandsnetz der Commerzbank beschneiden.
Genau hier liegt der Widerspruch, den Marktbeobachter sehen dürften: Das Bekenntnis zum Mittelstand steht neben harten Sparplänen und einem kleineren internationalen Geschäft. Gerade das Auslandsnetz gilt für exportorientierte Firmenkunden als wichtiges Argument.
Konjunktur als Rückenwind
Das Umfeld für das Firmenkundengeschäft hellt sich derweil auf. Die deutsche Wirtschaft wuchs im dritten Quartal um 0,2 Prozent zum Vorquartal und übertraf damit die Erwartung von 0,1 Prozent. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer rechnet mit weiterem Wachstum, aber nur in moderatem Tempo. Er verweist auf fehlende Reformen, die Unternehmensinvestitionen bremsten.
Die nächste Gelegenheit, Orcels Zusagen an den vorgelegten Zahlen zu messen, bietet sich am 5. November. Dann legt die Commerzbank ihre Quartalszahlen vor.
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