Die Commerzbank-Aktie notiert bei 34,40 Euro. Das Umtauschangebot von UniCredit bewertet sie mit gut 31 Euro. Wer da noch von einer Prämie spricht, muss Humor haben.
18 Monate Vorbereitung, und dann das!
Andrea Orcel hat sich Zeit gelassen. 18 Monate Vorarbeit, schrittweise Aufstockung auf 26,7% des Kapitals, mit Derivaten sogar 32,64%, und dann ein Angebot mit 4% Aufschlag, das der Markt bereits am ersten Tag überholt hatte. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp lehnte prompt ab: Das Angebot schaffe keinen Mehrwert. Die Bundesregierung, die noch 12% hält, wurde noch deutlicher und nannte die Offerte feindselig und inakzeptabel.
Orcel wiederum sagt, die Commerzbank sei überbewertet. Seit September 2024 hat sich der Kurs verdoppelt, ein Rückstand von 22% gegenüber den Branchenmultiplikatoren wurde aufgeholt. Aus seiner Sicht also ein fairer Preis. Aus Sicht der Aktionäre, die aktuell 34,40 Euro auf dem Kurszettel sehen, wohl eher nicht.
Das eigentliche Ziel: 40 Prozent
UniCredit will die 40%-Schwelle überschreiten, um die Kontrolle in der Hauptversammlung zu sichern. Citigroup schätzt, dass zunächst die 30%-Marke das Ziel ist, um Flexibilität zu gewinnen, ohne ein Pflichtangebot auslösen zu müssen. Ein Anteil zwischen 35% und 40% gilt demnach als suboptimal. Eine leichte Nachbesserung des Angebots schließt Orcel nicht aus, aber nur bei hoher Annahmequote.
Der Kapitaleinsatz ist kalkuliert: Rund 280 Basispunkte auf die CET1-Quote für einen Anteil von 50%, im Falle einer Vollübernahme könnten es 200 Basispunkte sein. Das industrielle Versprechen dazu: Die Kostenquote der Commerzbank soll von 47% auf 40% sinken, der Nettogewinn bis 2028 auf 5,1 Milliarden Euro steigen und bis 2030 auf 6 Milliarden, bei einer Eigenkapitalrendite von 25%. Die Commerzbank selbst plant standalone mit 4,5 Milliarden Euro Gewinn bis 2028 und 15% Rendite.
Commerzbank AG Aktie Chart
Plan B liegt schon in der Schublade
Scheitert das Vorhaben, will UniCredit das Ganze für 12 bis 18 Monate auf Eis legen. Dann käme wohl das Aktienrückkaufprogramm über 4,75 Milliarden Euro wieder auf den Tisch, oder neue Transaktionen in Italien, wo Orcel seinen Marktanteil von 9,9% weiter ausbauen will. Monte dei Paschi di Siena und Banco BPM werden in diesem Zusammenhang genannt. Und bei Assicurazioni Generali hat UniCredit den Anteil zuletzt auf 8,72% aufgestockt, von 6,7% noch im April 2025.
Mediobanca, die UniCredit mit Kursziel 92 Euro zum Kauf empfiehlt, sieht Orcel in der Lage, an mehreren Fronten gleichzeitig zu agieren. Eine Integration der Commerzbank würde die Gruppe für weitere Konsolidierungsschritte stärken und bei geschätzten Gewinnen von 21 Milliarden Euro bis zu 10,5 Milliarden Euro an Barmitteln freisetzen.
Frühestens 2029
Eine Fusion steht frühestens 2029 auf dem Programm, die Regulierungsgenehmigungen allein dürften mindestens ein Jahr beanspruchen. Bis dahin bleibt die Commerzbank-Aktie das, was sie gerade ist: 10% teurer als das Angebot, das sie übernehmen soll.
Commerzbank-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Commerzbank-Analyse vom 27. April liefert die Antwort:
Die neusten Commerzbank-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Commerzbank-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 27. April erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
