Die Übernahme durch UniCredit rückt in eine neue Phase. Nachdem die EZB vor rund einer Woche eine vorläufige aufsichtsrechtliche Einschätzung mit keinen grundsätzlichen Einwänden signalisiert hatte, verlor die Commerzbank-Aktie seither rund 3,7 Prozent. Eine endgültige Entscheidung der Aufsicht steht weiterhin aus. Nun richtet sich der Blick auf die operativen Pläne von UniCredit-Chef Andrea Orcel für die deutsche Bank.
Reuters berichtete am Freitag vergangener Woche, Orcel habe für Commerzbank einen Kostensenkungsplan von 1,3 Milliarden Euro skizziert. Zugleich wolle er die deutsche Einheit des Konzerns bis in die Jahre 2029 bis 2030 separat halten, statt sie rasch zu integrieren. Das deutet darauf hin, dass eine mögliche Übernahme nicht zwangsläufig eine schnelle Verschmelzung beider Institute bedeuten würde, sondern zunächst eine eigenständige Struktur mit eigenem Effizienzprogramm vorsieht.
Regulatorischer Prozess bleibt offen
Am 17. August teilte UniCredit mit, dass eine regulatorische Bedingung für ihre Offerte im Zusammenhang mit Commerzbank erfüllt worden sei. Der Übernahmekontext bleibt damit weiter aktuell, auch wenn die finale Prüfung durch die EZB noch aussteht. Für Anleger bedeutet das: Die Konturen einer möglichen Transaktion schärfen sich zwar, eine rechtsverbindliche Genehmigung liegt aber noch nicht vor.
Ursprünglich hatten Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp und UniCredit Anfang August Gespräche über eine mögliche Transaktion aufgenommen. Orlopp selbst hatte laut Reuters erklärt, ein Zusammenschluss könne Wert schaffen – eine Aussage, die angesichts der seither gestiegenen Unsicherheit über den Zeitplan an Gewicht gewinnt.
Operatives Geschäft liefert solides Fundament
Losgelöst vom Übernahmepoker steht die Commerzbank operativ gut da. Vor rund zwei Wochen hatte die Bank Rekordzahlen vorgelegt: Der Quartalsgewinn sprang im zweiten Quartal auf 898 Millionen Euro, ein Plus von 94 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im ersten Halbjahr summierte sich der Nettogewinn auf 1,8 Milliarden Euro.
Die Bank bestätigte zudem ihr Jahresziel von mindestens 3,4 Milliarden Euro Nettogewinn sowie einen geplanten Aktienrückkauf von bis zu 1,2 Milliarden Euro. Seither hat sich der Kurs mit minus 0,6 Prozent kaum bewegt – die starken Zahlen wurden vom Markt offenbar bereits eingepreist.
Diese Kombination aus solider operativer Entwicklung und schwebendem Übernahmeprozess dürfte die Aktie in den kommenden Wochen prägen. Der Schlusskurs vom Mittwoch lag bei 38,32 Euro, nach einem Rückgang von 1,9 Prozent binnen eines Tages. Damit notiert das Papier gut vier Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 40,11 Euro, das Mitte August erreicht wurde.
Analysten bleiben zurückhaltend zuversichtlich
Nach den Quartalszahlen hatte JPMorgan das Kursziel für Commerzbank von 37 auf 38 Euro angehoben, die Einstufung aber bei Neutral belassen. RBC bestätigte parallel die Einstufung Outperform mit einem Kursziel von 43 Euro, Deutsche Bank Research beließ die Bank auf Buy mit einem Kursziel von 42 Euro.
Die Bandbreite der Kursziele signalisiert, dass der Markt trotz der ungeklärten Übernahmefrage weiteres Kurspotenzial sieht – vorausgesetzt, der regulatorische Prozess bewegt sich in den kommenden Monaten in Richtung Klärung.
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