Die Europäische Zentralbank neigt dazu, die Übernahme der Commerzbank durch UniCredit zu genehmigen. Das ist die zentrale Entwicklung dieser Tage rund um die Frankfurter Bank, nachdem das Übernahmeangebot bereits erfolgreich abgeschlossen wurde. Damit rückt die Integration zweier Institute näher, die sich in Größe, Kultur und Kostenstruktur erheblich unterscheiden.
Orcels Blaupause aus Mailand
UniCredit-Chef Andrea Orcel setzt bei der Commerzbank offenbar auf dieselbe Formel, mit der er UniCredit selbst umgebaut hat. Sein Plan sieht eine Kostensenkung um 20 Prozent vor, umgerechnet rund 1,3 Milliarden Euro, mit Zielhorizont 2029. Bis dahin sollen beide Banken organisatorisch getrennt bleiben – ein Vorgehen, das kulturelle Reibungen erwarten lässt, wie Beobachter festhalten.
Der Blick auf UniCredits eigene Bilanz zeigt, wie ambitioniert dieser Weg ist. Zwischen dem ersten Quartal 2021 und dem ersten Halbjahr 2026 senkte das Institut seine Kosten von 9,7 auf 9,2 Milliarden Euro.
Gleichzeitig schrumpfte die Belegschaft von 82.000 auf 66.000 Mitarbeiter, während sich die Effizienzquote von 51,5 auf 34,3 Prozent verbesserte. Sollte Orcel bei der Commerzbank Ähnliches erreichen, würde das die Ertragslage des kombinierten Instituts spürbar verändern – für Anleger eine der zentralen Fragen der kommenden Jahre.
Ein Blick nach Italien als Referenzfall
Parallel zur Commerzbank-Situation liefert der italienische Bankensektor einen weiteren Übernahmefall, der als Vergleichsmaßstab dient. Intesa Sanpaolo hatte im Juni ein Angebot über 30,6 Milliarden Euro für die Banca Monte dei Paschi di Siena vorgelegt.
Italiens Premierministerin Giorgia Meloni äußerte die Hoffnung, dass MPS im Zuge der Übernahme nicht zerschlagen wird und Name sowie Identität des Traditionshauses erhalten bleiben. Der Plan sieht vor, rund die Hälfte der Filialen sowie Zentrale und Marke an andere Institute zu veräußern; MPS-Chef Luigi Lovaglio prüft nach Berichten mögliche Abwehrmaßnahmen.
Für Commerzbank-Aktionäre ist dieser Fall aufschlussreich, weil er zeigt, wie politisch sensibel Bankenübernahmen in der Eurozone bleiben – auch wenn die Ausgangslage bei UniCredit und Commerzbank eine andere ist, da hier bereits eine mehrheitliche Beteiligung vorliegt und die EZB signalisiert, grünes Licht zu geben.
Kurs nahe Jahreshoch, Markt bleibt gelassen
An der Börse spiegelt sich die Erwartung einer erfolgreichen Übernahme in einem robusten Kursniveau wider. Die Commerzbank-Aktie schloss am Freitag bei 39,85 Euro und liegt damit nur rund 0,6 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 40,11 Euro, das erst am Donnerstag markiert wurde. Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Plus von 4,4 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn summiert sich der Zuwachs auf 10 Prozent.
Die Marktkapitalisierung liegt bei gut 43 Milliarden Euro. Damit bewegt sich das Institut in einer Größenordnung, die die Bedeutung der anstehenden Integrationsentscheidung unterstreicht: Für Anleger dürfte in den kommenden Monaten weniger der EZB-Beschluss selbst im Vordergrund stehen als die Frage, wie schnell und wie tief Orcel seinen Kostenplan tatsächlich umsetzt – und ob die Commerzbank dabei ihre eigene Identität bewahrt.
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