Juli 2026 eine neue politische Wendung genommen. Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte, seine Regierung werde die Fusion mit UniCredit nicht verhindern – ein bemerkenswerter Kurswechsel, nachdem Berlin monatelang auf die Eigenständigkeit des Frankfurter Instituts gepocht hatte. Fast zeitgleich senkte die Ratingagentur S&P ihren Ausblick für die Commerzbank von positiv auf stabil. Die Aktie schloss an jenem Tag mit einem Minus von 0,37 Prozent bei 37,89 Euro.
Merz öffnet sich dem Dialog mit Orcel
Merz stellte klar, dass die Bundesregierung die Übernahme formal ohnehin nicht verhindern könnte – UniCredit benötigt für den Zusammenschluss keine Genehmigung der Bundesregierung. Dennoch machte der Kanzler deutlich, dass ihm die Art und Weise, wie UniCredit-Chef Andrea Orcel vorgegangen sei, nicht zusage. Fragen nach dem künftigen Geschäftsmodell der fusionierten Bank seien erlaubt, so Merz. Der Bund selbst ist mit rund 12 Prozent zweitgrößter Aktionär der Commerzbank hinter UniCredit. Einen förmlichen Übernahmeantrag will UniCredit nach Angaben aus dem Umfeld der Verhandlungen im September bei der EU-Kommission einreichen.
Zur aktuellen Beteiligungslage kursierten zuletzt unterschiedliche Zahlen. UniCredit hatte im Rahmen des Umtauschangebots eine Annahmequote von 17,6 Prozent verzeichnet, während die Gesamtbeteiligung inklusive bestehender Anteile und bar abgerechneter Derivate zwischenzeitlich auf rund 47,6 Prozent der Anteile beziehungsweise 49,65 Prozent der Stimmrechte taxiert wurde. Von einer Mehrheit der Stimmrechte ist die italienische Bank damit weiterhin ein Stück entfernt. Für die von der Europäischen Zentralbank benötigte Freigabe zur Aufstockung auf eine 30-Prozent-Schwelle rechnen Beobachter mit einem Zeitraum von drei bis sechs Monaten.
S&P sieht Integration in UniCredit als wahrscheinlicher
Die Herabstufung des Ausblicks durch S&P fällt in dieselbe Woche und dürfte kein Zufall sein. Die Ratingagentur bestätigte zwar das Langfristrating der Commerzbank mit A und das Kurzfristrating mit A-1, senkte aber die Aussicht von positiv auf stabil. Als Begründung nannte S&P die aus ihrer Sicht wahrscheinlicher werdende Integration der Commerzbank in den UniCredit-Konzern. Für UniCredit selbst vergibt die Agentur weiterhin einen positiven Ausblick – ein Signal dafür, dass S&P die italienische Bank als treibende Kraft und langfristigen Profiteur der Konsolidierung einstuft, während die Eigenständigkeit der Commerzbank an Substanz verliert.
Jefferies reduziert Engagement
Parallel zur politischen und ratingseitigen Neubewertung meldete Jefferies Financial Group eine Anpassung ihrer Stimmrechtsanteile an der Commerzbank. Nach einer Mitteilung gemäß Wertpapierhandelsgesetz vom 14. Juli 2026 hält Jefferies nun 2,50 Prozent direkt über gut 28,2 Millionen Aktien sowie weitere 7,41 Prozent über Finanzinstrumente, insgesamt also 9,91 Prozent. Zuvor hatte die Meldung noch 10,43 Prozent ausgewiesen – ein leichter Rückgang des Gesamtengagements, der in die Reihe der Positionsverschiebungen rund um den Übernahmepoker passt.
Kursreaktion bleibt verhalten
Trotz der Häufung an Nachrichten fiel die Kursreaktion der Commerzbank-Aktie moderat aus. Mit 37,89 Euro notierte das Papier nur 3,29 Prozent unter seinem erst wenige Tage zuvor erreichten 52-Wochen-Hoch von 39,18 Euro. Auf Sicht von zwölf Monaten steht dennoch ein deutliches Plus von 33,56 Prozent zu Buche – ein Hinweis darauf, dass die Übernahmefantasie den Titel über das gesamte vergangene Jahr getragen hat, auch wenn einzelne Nachrichtentage wie der 16. Juli nur kleinere Ausschläge auslösten. Anleger scheinen die politische Kehrtwende von Merz weniger als Überraschung denn als Bestätigung eines längst erwarteten Szenarios zu werten: Der Weg zur Integration in UniCredit gilt am Markt zunehmend als wahrscheinlicher, formale Hürden wie die EU-Kartellprüfung und die EZB-Freigabe bleiben jedoch die nächsten entscheidenden Stationen.
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