Der Übernahmestreit zwischen Commerzbank und UniCredit bekommt eine neue politische Dimension. Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni setzt nach eigener Darstellung auf Gespräche mit deutschen Behörden, um die Auseinandersetzung um die Mehrheitsbeteiligung an der Commerzbank zu befrieden. Damit rückt ein Vorgang, der zuletzt vor allem als Verhandlungssache zwischen den beiden Bankvorständen galt, auf die zwischenstaatliche Ebene.
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp reagierte am Wochenende auf die politische Einmischung mit ungewohnter Deutlichkeit. „Wir haben diesbezüglich Gespräche aufgenommen“, erklärte sie und signalisierte damit eine gewisse Gesprächsbereitschaft, ohne den grundsätzlichen Kurs der Bank aufzugeben.
Der Ton markiert eine Verschiebung gegenüber den vergangenen Wochen, in denen Frankfurt und Mailand vor allem über Aufsichtsbehörden und Fristen kommunizierten.
Aufsichtsrechtlicher Fahrplan bleibt der Kern des Konflikts
Der eigentliche Streitpunkt ist regulatorischer Natur. Nachdem die BaFin den Antrag von UniCredit auf eine Mehrheitsbeteiligung als vollständig eingestuft und an die EZB weitergeleitet hatte, erhielt die italienische Großbank die aufsichtsrechtliche Freigabe der EZB, wie bereits bekannt war.
Orlopp hatte im Zuge der Quartalszahlen erklärt, sie erwarte weitere aufsichtsrechtliche Genehmigungen im vierten Quartal 2026 – ein Termin, der nach der Freigabe nun in greifbarer Nähe liegt und für Anleger die eigentliche Weichenstellung markiert.
Nach der behördlichen Genehmigung erhält UniCredit Zugriff auf bis zu 50 Prozent der Stimmrechte. Bis zum Ende der erweiterten Annahmefrist im Juli hatte die italienische Bank 17,6 Prozent der Commerzbank-Aktien angedient bekommen. Meloni Engagement dürfte darauf abzielen, den politisch heiklen Kontrollwechsel bei einem der größten deutschen Kreditinstitute diplomatisch zu flankieren, bevor die entscheidenden Genehmigungsschritte fallen.
Rekordzahlen liefern der Commerzbank Verhandlungsmasse
Die politische Debatte trifft die Commerzbank in einer finanziell starken Position. Vor rund zwei Wochen hatte das Institut mit einem Nettogewinn von 1,81 Milliarden Euro im ersten Halbjahr den höchsten Halbjahresgewinn der Unternehmensgeschichte vorgelegt, ein Plus von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Die Eigenkapitalrendite kletterte auf 12,6 Prozent, die Jahresprognose eines Nettogewinns von mindestens 3,4 Milliarden Euro wurde bestätigt. Seither hat die Aktie um 3,4 Prozent zugelegt.
Diese Stärke verschafft dem Management zusätzliches Gewicht in den Gesprächen mit UniCredit – eine schwache Commerzbank hätte in der politischen Auseinandersetzung deutlich weniger Verhandlungsspielraum. Zugleich hat die EZB bereits einen weiteren Aktienrückkauf über bis zu 1,2 Milliarden Euro genehmigt, ein Signal, dass die Bank trotz des schwebenden Übernahmeverfahrens ihre Kapitalpolitik eigenständig fortsetzt.
Am Aktienmarkt zeigt sich die Gemengelage aus Übernahmefantasie und operativer Stärke deutlich: Der Kurs schloss am Freitag bei 39,85 Euro und liegt damit nur 0,6 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 40,11 Euro. Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Plus von 8,7 Prozent zu Buche.
Für Anleger bleibt die entscheidende Frage, ob die politische Vermittlung Melonis den aufsichtsrechtlichen Prozess beschleunigt oder eher neue Verzögerungen schafft, bevor die für das vierte Quartal erwarteten Genehmigungen tatsächlich vorliegen.
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