Die Übernahmegespräche zwischen Berlin und UniCredit gewinnen an Konkretisierung. Bundesfinanzminister Klingbeil hat bei seinem Treffen mit UniCredit-Chef Andrea Orcel am gestrigen Montag in Berlin klare Bedingungen für eine mögliche Commerzbank-Übernahme formuliert. Der Bund verlangt demnach zwei Sitze im Aufsichtsrat sowie einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen.
Klingbeil bezeichnete das Gespräch als konstruktiv, Orcel sprach von einem guten ersten Austausch und kündigte zeitnah weitere Gespräche an. Damit bleibt der Ausgang der Verhandlungen offen, doch die Bundesregierung positioniert sich erkennbar als aktiver Verhandlungspartner und nicht nur als Beobachter.
Neben den Aufsichtsratssitzen und der Kündigungsfrage hatte Klingbeil bereits am vergangenen Wochenende gefordert, dass die Commerzbank eine börsennotierte AG mit Sitz in Frankfurt bleibt und ihr Mittelstandsgeschäft in Deutschland sowie international fortführt.
Die Ausgangslage für UniCredit ist komplex: Der italienische Konzern hält mittlerweile fast 50 Prozent der Stimmrechte an der Commerzbank, während der Bund mit 12,1 Prozent der Anteile beziehungsweise 12,7 Prozent der Stimmrechte selbst zu den größeren Aktionären zählt.
Ein früherer Übernahmeversuch war bis zum Ablauf der Annahmefrist Anfang Juli nur auf geringe Resonanz bei unabhängigen Aktionären gestoßen – lediglich 2,7 Prozent der institutionellen und privaten Anleger hatten ihre Aktien angedient.
Rückkaufprogramm läuft parallel weiter
Unabhängig von den Übernahmegesprächen treibt die Commerzbank ihr eigenes Aktienrückkaufprogramm voran, das Anfang September gestartet war und ein Volumen von bis zu 1,2 Milliarden Euro umfasst. Für 2026 strebt die Bank eine Gesamtausschüttung von rund 3,2 Milliarden Euro an.
Aktie nahe am Zehn-Jahres-Hoch
Die Gemengelage aus politischem Tauziehen und solider operativer Entwicklung spiegelt sich im Aktienkurs wider. Das Papier notiert aktuell bei 42,78 Euro und damit nur 0,8 Prozent unter seinem jüngst erreichten 52-Wochen-Hoch. Auf Jahressicht steht ein Kursplus von 18 Prozent zu Buche, über zwölf Monate sogar von 30 Prozent – ein Zeichen dafür, dass Anleger die Übernahmefantasie und die Ausschüttungspolitik gleichermaßen honorieren.
Der nächste konkrete Termin für Investoren ist bereits gesetzt: Am 5. November veröffentlicht die Commerzbank ihre Zahlen für das dritte Quartal 2026. Bis dahin dürfte die politische Auseinandersetzung um die Zukunft der Bank im Vordergrund stehen – zumal weitere Gespräche zwischen Berlin und Mailand angekündigt sind.
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