Die Bundesregierung bereitet konkrete Bedingungen für mögliche Gespräche mit den Italienern vor, wie Handelsblatt und WirtschaftsWoche Mitte Juli berichteten. Berlin verlangt demnach Garantien für die Mittelstandsfinanzierung, den Erhalt des Standorts Frankfurt und die Fortführung der eigenständigen Börsennotierung der Commerzbank. Reuters und Bloomberg griffen die Berichte auf.
Die Forderungen zeigen, dass die Bundesregierung eine vollständige Übernahme durch UniCredit weiterhin an klare Auflagen knüpfen will. Hintergrund ist die im Sommer beendete Annahmefrist: Nach deren Ablauf am 3. Juli waren UniCredit insgesamt 17,60 Prozent der Commerzbank-Aktien angedient worden. Nach Angaben der Commerzbank stammten davon weniger als 2 Prozent von unabhängigen institutionellen oder privaten Anlegern – ein Hinweis darauf, dass der Großteil der Andienung aus bereits bekannten Beteiligungen kam.
Jefferies überschreitet die 10-Prozent-Marke
Parallel zur politischen Debatte hat sich ein weiterer Großaktionär in Stellung gebracht. Jefferies Financial Group hat seine Beteiligung an der Commerzbank auf 10,02 Prozent aufgestockt und damit am 15. Juli die meldepflichtige Zehn-Prozent-Schwelle überschritten. Den Großteil der Position, 7,50 Prozentpunkte, hält Jefferies über Finanzinstrumente. Die Aufstockung reiht sich in eine Serie von Bewegungen bei institutionellen Investoren ein, die den Übernahmepoker seit Wochen begleiten.
Die Aktie hatte im Zuge der Übernahmespekulationen am 14. Juli mit 39,18 Euro ein neues 52-Wochen-Hoch erreicht. Seither hat sich der Kurs wieder etwas zurückgezogen: Zum Schlusskurs von 36,80 Euro am Montag beträgt der Abstand zu diesem Hoch gut sechs Prozent. Auf Sicht von zwölf Monaten steht dennoch ein Plus von 29,35 Prozent zu Buche – ein Beleg dafür, wie stark die Übernahmefantasie den Kurs über das vergangene Jahr getrieben hat.
JPMorgan sieht Bewertung ausgereizt
JPMorgan hat die Commerzbank-Aktie am 20. Juli mit der Einstufung „Neutral“ und einem Kursziel von 37,00 Euro bewertet. Analyst Kian Abouhossein passte sein Bewertungsmodell im Vorfeld der anstehenden Quartalszahlen nur geringfügig an. Das Kursziel liegt damit nur knapp über dem aktuellen Schlusskurs und signalisiert, dass JPMorgan nach dem Kurssprung der vergangenen Monate kaum noch zusätzliches Aufwärtspotenzial sieht.
Operatives Geschäft und Ausblick
Abseits der Übernahmedebatte treibt die Commerzbank ihre operative Transformation voran. Anfang Juli kündigte das Institut an, seine KI-Partnerschaften auszuweiten und Google Cloud Gemini Enterprise sowie Microsoft 365 Copilot fest in die Arbeitsprozesse zu integrieren. Auf der Ertragsseite hatte die Bank bereits im Mai mit den Zahlen zum ersten Quartal ihr Gewinnziel für das Gesamtjahr 2026 auf mindestens 3,4 Milliarden Euro angehoben. Die neue Strategie „Momentum 2030“ sieht eine Nettoeigenkapitalrendite von 21 Prozent bis zum Jahr 2030 vor.
Die Hauptversammlung hatte im Mai zudem einer Dividende von 1,10 Euro je Aktie für das Geschäftsjahr 2025 zugestimmt und den Vorstand zu weiteren Aktienrückkäufen ermächtigt. Ob die ambitionierten Ziele bestätigt werden, zeigt sich am 6. August, wenn die Commerzbank ihre Ergebnisse für das zweite Quartal und das erste Halbjahr 2026 vorlegt. Anleger dürften dabei genau darauf achten, ob sich die politische Unsicherheit rund um UniCredit bereits im operativen Geschäft bemerkbar macht.
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