Die Querelen rund um UniCredit schweben seit etlichen Monaten wie ein Damoklesschwert über der Commerzbank-Aktie. Jetzt geht der Kampf der beiden Geldhäuser in die nächste Runde. Auf dem OMR Festival in Hamburg hat sich Commerzbank-CEO Bettina Orlopp am Dienstag in einem Interview mit dem „Manager Magazin“ unzufrieden mit dem Angebot der Unicredit gezeigt.
Commerzbank-Aktie: Konzernchefin Bettina Orlopp weist UniCredit-Angebot scharf zurück
Nur wenige Stunden zuvor hatte UniCredit-Boss Andrea Orcel die Angebotsunterlagen für eine Übernahme der Commerzbank vorgelegt, nachdem die Aktionäre auf Hauptversammlung das nötige Kapitel für den Deal freigegeben hatten
Orlopp betonte nun gegenüber dem „Manager Magazin“, dass sie den Preis für deutlich zu niedrig halte: Die Commerzbank-Aktionäre müssten „einen anständigen Preis“ bekommen, und das sei aktuell nicht der Fall. Von Orcels Zukunftsplänen hält sie wenig. Sie sei „latent verwundert“ über die Vorschläge aus Mailand und betonte, UniCredit habe „trotz mehr als zehn Gesprächen“ das Geschäftsmodell der Commerzbank „noch nicht ganz verstanden“.
Die Managerin verwies auf das Rekordergebnis des Jahres 2025 und kündigte an, beim anstehenden Strategie‑Update die eigenen Ziele weiter zu erhöhen, inklusive einer nochmals verschärften Cost‑Income‑Ratio.
Die italienische Großbank UniCredit hingegen sieht in einer Übernahme ein Wertschöpfungspotenzial von bis zu zwei Milliarden Euro und plant eine deutliche Verschlankung der Bank, Modernisierung der IT und einen Abbau risikogewichteter Aktiva, was bis 2030 jährlich über eine Milliarde Euro Mehrwert bringen soll – allerdings erst nach zwei bis drei Jahren Umbau und 1,6 Milliarden Euro Restrukturierungskosten.
Orlopp wies diese Darstellung scharf zurück. In Orcels Präsentation stünden „ganz viele falsche Sachen“, sagte sie zum „Manager Magazin“, und verwies darauf, dass sogar die Bafin bereits eingeschritten sei – ein Vorgang, „den es so noch nicht gegeben hat“. Kurz nach ihrem Auftritt veröffentlichte die Commerzbank ihre offizielle Reaktion: Man nehme die Angebotsunterlagen zur Kenntnis – mehr nicht.
Commerzbank-Aktie: Bundesregierung lehnt Übernahme ab
Zur Einordnung: UniCredit zeigt seit Jahren konkretes Interesse an der Commerzbank – ursprünglich noch hinter den Kulissen, inzwischen aber auch öffentlich.
Die Bundesregierung lehnt derweil eine Übernahme ab, weil die Commerzbank als systemrelevantes Institut gilt und der Staat noch 12 % hält. Berlin fürchtet den Verlust nationaler Kontrolle über Kreditvergabe, Mittelstandsfinanzierung und kritische Infrastruktur – und sieht UniCredits Pläne als Risiko für die Stabilität des deutschen Bankensystems.
Auch die Arbeitsplätze, die im Zuge einer Umstrukturierung der Commerzbank nach einer Übernahme durch die Unicredit wegfallen könnten, stehen im Fokus der Bundesregierung. Derzeit erwägt Berlin gar, den Anteil des Bundes an der Commerzbank wieder zu erhöhen, um eine feindliche Übernahme zu verhindern. Die Ampel-Regierung hatte den Anteil 2024 auf 12 % reduziert.
Commerzbank-Aktie: Italiener bieten negative Prämie
Die Annahmefrist für das Angebot der UniCredit endet Mitte Juni 2026. Bezogen auf die Aktienkurse beider Konzerne vor Veröffentlichung des Angebots bieten die Italiener keine Prämie für die Commerzbank-Aktionäre. Insofern dürfte eine Zustimmung durch die Commerzbank-Anteilseigner am eigenen Management vorbei eher unwahrscheinlich sein.
Aktuell hält die UniCredit über Optionen und Aktien bereits knapp 30 % der Commerzbank-Anteile. Die Italiener dürften also ihre Beteiligung erstmal sukzessive ausbauen, sollte die vollständige Kontrollübernahme wegen des niedrigen Angebots wie erwartet scheitern. Möglich wäre jedoch auch eine neue, höherpreisige Offerte.
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