Nur 2,25 Prozent trennen die Commerzbank-Aktie von ihrem Jahreshoch. Dahinter steckt ein Übernahmepoker, der weit von seiner Entscheidung entfernt ist. UniCredit hat zwar fast die Hälfte der Aktien gesichert. Die entscheidende Schwelle bleibt trotzdem außer Reichweite.
Die entscheidende Schwelle
Die zusätzliche Annahmefrist für das Übernahmeangebot endete am 3. Juli 2026. In dieser Phase reichten Aktionäre weitere 17,6 Prozent der Commerzbank-Aktien ein. Zusammen mit ihrer bisherigen Position kommt UniCredit nun auf 47,5 Prozent des Kapitals. Bei den Stimmrechten auf der Hauptversammlung wären es sogar 49,65 Prozent.
Der Übergang der Stimmrechte ist aber nicht sicher. Aufsichtsbehörden müssen die angedienten Aktien erst noch freigeben. Für eine echte Fusion braucht UniCredit-Chef Andrea Orcel 75 Prozent der Stimmen. Selbst mit dem aktuellen Anteil liegt er weit unter dieser Marke.
Wie umstritten die Zahlen sind, zeigt ein Detail. Institutionelle und private Anleger dienten der Commerzbank zufolge weniger als 2 Prozent ihrer Aktien an. Der Großteil der angedienten Papiere stammt von Banken und Parteien, die mit UniCredit verbunden sind.
Bullisches Szenario
Für die eigenständige Strategie spricht zunächst der Kurs selbst. In den vergangenen zwölf Monaten legte die Aktie um 29,35 Prozent zu. Sie handelt inzwischen über allen wichtigen gleitenden Durchschnitten, ein Signal für einen intakten Aufwärtstrend.
Fundamental wirkt das Bild noch stärker. Seit dem Start der „Momentum“-Strategie im Februar 2025 hat sich der Aktienkurs verdoppelt. Das Geschäftsjahr 2025 markierte ein Rekordjahr in der 156-jährigen Firmengeschichte. Der Vorstand bestätigt seinen Ausblick für 2026 und hält an den ambitionierten Zielen bis 2030 fest.
Ergänzt wird das durch frisches Prestige. Bei den FINANCE Awards 2026 kürte die Jury die Commerzbank zur besten Bank im deutschen Firmenkundengeschäft. Zusätzlich gewann sie die Auszeichnungen als beste Mittelstandsbank und für das beste Servicelevel.
Auch politisch steht das Institut nicht allein da. Die Bundesregierung hält als zweitgrößter Aktionär an ihrem Anteil fest. Sie hält weder den gebotenen Preis noch das Vorgehen von UniCredit für angemessen.
Bärisches Szenario
Die Gegenseite hat trotzdem spürbaren Einfluss gewonnen. Vor dem Angebot hielt UniCredit bereits 26,77 Prozent der Commerzbank-Aktien. Zusammen mit den neuen Zusagen steigt der direkte Anteil auf gut 44 Prozent. Über Kaufoptionen sichert sich die italienische Bank zusätzlichen Zugriff auf mehr als drei weitere Prozentpunkte.
Mit dieser Position könnte UniCredit schon die Hauptversammlung 2027 dominieren. Dort stehen zehn der zwanzig Aufsichtsratssitze auf der Kapitalseite zur Wahl.
Hinzu kommt eine ungeklärte Transparenzfrage. Die Commerzbank beobachtete selbst einen auffälligen Anstieg der Wertpapierleihe in ihren Aktien. Sie bringt dies mit dem Annahmeverhalten UniCredit-naher Banken in Verbindung.
Bank-Chefin Bettina Orlopp rechnet daher nicht mit einer schnellen Lösung. Sie kündigt UniCredit laut Handelsblatt eine „Hängepartie“ an. Eine solche Phase über Monate oder Jahre könnte die Bewertung belasten. Das gilt selbst dann, wenn das operative Geschäft stabil bleibt.
Ausblick
Bleibt UniCredit unter der 75-Prozent-Schwelle, dürfte die Commerzbank ihren eigenständigen Kurs fortsetzen. Der technische Aufwärtstrend hätte dann Raum, sich fortzusetzen. Das bisherige Jahreshoch von 39,18 Euro wäre die nächste logische Marke.
Genehmigen EZB oder Wettbewerbshüter die angedienten Stimmrechte dagegen überraschend schnell, kippt das Bild. Die Unsicherheit über die künftige Eigenständigkeit würde wieder zunehmen. Das dürfte sich in der Volatilität zeigen, die aktuell bei 24,37 Prozent auf 30-Tage-Basis liegt.
Der nächste konkrete Prüfstein folgt Anfang August. Dann veröffentlicht die Commerzbank ihre Zahlen zum zweiten Quartal. Sie müssen zeigen, ob die angehobene Gewinnprognose auch im Zahlenwerk trägt.
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