In Wiesbaden trugen sie gelbe Westen und Trillerpfeifen. Auf Schildern stand „UniCredit go away!“ und „#NOMerger #NOrcel“. So begann die Hauptversammlung der Commerzbank am Mittwoch, und der Ton blieb den ganzen Tag so.
Formelle Ablehnung, klare Worte
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hatte bereits am Montag das Angebot von UniCredit offiziell zurückgewiesen. Vor den Aktionären legte sie nach: „Umsatzverluste werden deutlich unterschätzt, das Potenzial für Kosteneinsparungen zu optimistisch bewertet, und die Restrukturierungsaufwendungen wären deutlich höher“, sagte sie. Aufsichtsratschef Jens Weidmann wurde noch direkter. „Unsere Empfehlung ist klar: Nehmen Sie das Angebot von UniCredit nicht an“, rief er unter Applaus in den Saal.
Orlopp stellte zudem klar, was sie als Mindestbedingung für künftige Gespräche sieht: eine Prämie für die Commerzbank-Aktionäre und die Anerkennung der Stärken des eigenen Geschäftsmodells. Ohne das keine Verhandlungen.
Commerzbank AG Aktie Chart
Gewerkschaft, Investoren, Belegschaft
Andreas Thomae von Deka Investment nannte das UniCredit-Angebot „unattraktiv“ und warnte, die Pläne könnten Commerzbank jahrelang lähmen, „mit dem Risiko, den Kundenfokus zu verlieren“. Gewerkschaftsvertreter Frederik Werning, der auch im Aufsichtsrat sitzt, sagte Reuters, er sei „zutiefst besorgt“, dass Orcels Pläne strategisch nicht tragfähig seien, Stellen kosten und den deutschen Mittelstand gefährden würden. Die Commerzbank selbst schätzt, dass eine Übernahme rund 11.000 Vollzeitstellen vernichten könnte, fast ein Drittel der Belegschaft.
UniCredit glänzt durch Abwesenheit
Der Mailänder Konzern erschien nicht zur Hauptversammlung. Bewusste Zurückhaltung, während die Gegenseite lärmt. Doch DWS-Vertreter Hendrik Schmidt gab den Ton vor, der bei manchem Commerzbank-Anhänger für Unbehagen gesorgt haben dürfte: „UniCredit wird nicht aufgeben. Es hat die nötigen Mittel und die Zeit.“
Seit 2024 hält UniCredit knapp 30 Prozent an der Commerzbank. Die Ablehnung ist laut, die Mehrheitsverhältnisse sind es auch.
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