Heute läuft die verlängerte Annahmefrist für das Übernahmeangebot der UniCredit an die Commerzbank-Aktionäre aus. Der Aktienkurs zeigt schon vorher, wie die Sache ausgeht: Mit 37,91 Euro notiert das Papier deutlich über dem rechnerischen Wert des italienischen Tauschangebots. Für die Mailänder Bank ist das ein Problem.
Der Tausch rechnet sich für niemanden
UniCredit bietet 0,485 eigene Aktien für jede Commerzbank-Aktie. Bar zahlt die Bank nichts dazu. Bei einem Kurs nahe dem 52-Wochen-Hoch von 38,85 Euro vom 19. Juni ist die Lücke zwischen Börsenkurs und Angebotswert längst zu groß geworden.
Wer seine Aktien jetzt andient, verschenkt Geld. Ein Verkauf über die Börse bringt spürbar mehr als der Tausch in UniCredit-Papiere. Genau diese Rechnung liefert dem Commerzbank-Vorstand seit Monaten sein stärkstes Argument gegen die Offerte.
Privatanleger winken ab
Die Zahlen aus dem Aktionärsbrief vom Juni sprechen eine klare Sprache. Nach Ablauf der regulären Frist hatten gerade einmal gut 1 Prozent der institutionellen Investoren ihre Aktien angedient. Bei den über 500.000 Privatanlegern waren es sogar nur etwa 0,05 Prozent.
Vorstandschefin Bettina Orlopp setzt dem Übernahmeversuch die eigene Strategie entgegen. „Momentum 2030″ nennt sich der Plan, der die Nettoeigenkapitalrendite bis 2030 auf 21 Prozent treiben soll. Das Gewinnziel für 2026 hat die Bank zuletzt auf mindestens 3,4 Milliarden Euro angehoben, dazu kommt eine Dividende von 1,10 Euro je Aktie für das abgelaufene Jahr 2025.
Berlin bleibt dabei
Auch die Politik spielt der Commerzbank in die Hände. Der Bund hält weiterhin einen Anteil als zweitgrößter Aktionär und hat mehrfach bekräftigt, seine Papiere nicht an UniCredit abzugeben. Diese Haltung stützt die Unabhängigkeit der Bank zusätzlich.
Technisch steht die Aktie ebenfalls gut da. Der Kurs liegt 3,61 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 36,59 Euro und gut 10,7 Prozent über der 200-Tage-Linie bei 34,24 Euro. Der RSI von 58,6 zeigt moderates Momentum, ohne Anzeichen einer Überhitzung. Auf Jahressicht steht die Aktie fast 35 Prozent im Plus.
Der 8. Juli wird zum Prüfstein
Mit dem heutigen Fristende beginnt die Auswertung. UniCredit will das offizielle Endergebnis am Mittwoch, dem 8. Juli, veröffentlichen. Erst dann zeigt sich, wie viel Einfluss die Italiener über Derivate und direkte Andienungen tatsächlich aufgebaut haben.
Parallel rückt ein zweiter Termin in den Blick: Am 6. August legt die Commerzbank ihre Zahlen für das zweite Quartal vor. Bis dahin dürfte der Streit um die Aktionärsstruktur die Kursbewegungen bestimmen.
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