Commerzbank legt am heutigen Mittwoch ihre Zahlen zum zweiten Quartal vor – mitten in einer Phase, in der sich die Übernahmefrage durch UniCredit einem entscheidenden Verfahrensschritt nähert. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hat Ende Juli den Antrag der italienischen Bank auf Überschreitung der 30-Prozent-Schwelle an die Europäische Zentralbank weitergeleitet. Für Anleger dürfte damit weniger das Quartalsergebnis selbst im Vordergrund stehen als die Frage, wie es mit der größten Bankenübernahme im deutschen Finanzsektor seit Jahren weitergeht.
EZB prüft Kontrollübernahme durch UniCredit
Die Notenbank hat nach eigenen Regeln 60 Arbeitstage Zeit für ihre Entscheidung, eine Verlängerung um weitere 20 Tage ist möglich. Beobachter rechnen mit einem Bescheid in der zweiten Oktoberhälfte. UniCredit hält bereits 47,59 Prozent des Kapitals und kommt über Stimmrechte auf 49,65 Prozent, hinzu kommen weitere gut elf Prozent über derivative Positionen. Die deutsche Bundesregierung ist mit 12,7 Prozent an der Commerzbank beteiligt. Sollte die EZB grünes Licht geben, wäre eine faktische Kontrollübernahme durch die Italiener laut den vorliegenden Einschätzungen frühestens in der ersten Hälfte 2027 möglich – neben der EZB-Freigabe stehen zudem noch Zustimmungen der EU-Kartellbehörde, der US-Notenbank Fed und der polnischen Finanzaufsicht aus.
Der italienische Vorstoß ist damit weiter das dominierende Thema rund um die Commerzbank-Aktie. Schon im Mai hatte das Frankfurter Institut Medienberichten zufolge einen Abwehrplan gegen die als feindlich eingestufte Offerte skizziert: mehr Gewinn, eine höhere Dividende, dafür aber ein Stellenabbau. Kritiker bemängelten damals, die Aktionäre erhielten dafür zu wenig Prämie. Wie die Bank ihre Position seither weiterentwickelt hat, dürfte auch bei der heutigen Zahlenvorlage ein Thema für Analysten sein, zumal UniCredit-Konzernchef Andrea Orcel das Ziel einer Mehrheitsbeteiligung wiederholt bekräftigt hat.
Kurs nahe Rekordniveau
Die Marktreaktion auf den Fortschritt im Genehmigungsverfahren fiel deutlich aus. Am Dienstag schloss die Commerzbank-Aktie bei 39,28 Euro, ein Plus von 1,76 Prozent, und rückte damit erneut in die Nähe ihres jüngsten Jahreshochs – der Abstand dorthin beträgt derzeit lediglich rund ein Prozent. Seit Jahresbeginn steht für das Papier ein Zuwachs von 8,81 Prozent zu Buche, über die vergangenen zwölf Monate hat sich der Kurs um knapp ein Viertel verteuert. Die Marktkapitalisierung des Instituts liegt bei gut 41 Milliarden Euro – zum Vergleich: UniCredit wird an der Börse mit etwa 130 Milliarden Euro bewertet und hat seit September 2024 rund 140 Prozent an Wert gewonnen, ein Kräfteverhältnis, das die Ausgangslage im Übernahmepoker prägt.
Für Anleger verdichten sich damit zwei Erzählstränge zu einem Datum: Die operative Entwicklung des Instituts, über die die heutigen Quartalszahlen Auskunft geben sollen, und der regulatorische Fahrplan der EZB, der über die künftige Eigentümerstruktur entscheidet. Beide Stränge dürften sich in den kommenden Monaten immer wieder überlagern – insbesondere dann, wenn sich die Notenbank der angepeilten Entscheidungsfrist im Oktober nähert. Bis dahin bleibt die Aktie ein Spiegel der Erwartungen an den Ausgang des größten grenzüberschreitenden Bankendeals, den der europäische Finanzsektor derzeit erlebt.
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