Vier Tage vor Ablauf der Übernahmefrist eskaliert der Konflikt um die Commerzbank. Der Gesamtbetriebsrat will Strafanzeige wegen Marktmanipulation erstatten — und die Unternehmensführung widerspricht den Darstellungen der UniCredit öffentlich.
Betriebsrat zieht vor die Staatsanwaltschaft
Der Betriebsrat plant eine Strafanzeige nach Paragraf 119 und 120 WpHG gegen unbekannt. Der Vorwurf: UniCredit habe irreführende Angaben über die Zahl angedienter Aktien gemacht. Ziel sei es, den Eindruck eines bereits sicheren Übernahmeerfolgs zu erzeugen.
Die Commerzbank-Führung unter CEO Bettina Orlopp stützt diese Lesart. Die Bank erklärte, die angedienten Aktien stammten überwiegend von Banken, mit denen UniCredit über Finanzinstrumente Geschäfte mache — nicht von unabhängigen Aktionären. Die eigene Aktionärsstruktur sei trotz laufender Offerte „weitgehend unverändert“. Großinvestoren, so die Botschaft, hätten der Bank die Treue gehalten.
Orlopp verteidigt Eigenständigkeit mit Strategie
Orlopp hatte bereits im Mai mit der Strategie „Momentum 2030″ die Weichen gestellt. Verbesserte Profitabilität und weiteres Wachstumspotenzial sollen zeigen: Die Commerzbank ist eigenständig mehr wert als unter UniCredit-Dach.
Das wirtschaftliche Umfeld spielt dabei keine einfache Rolle. Die deutsche Wirtschaft stagniert, geopolitische Spannungen und hohe Energiepreise belasten. Für das zweite Quartal 2026 erwartet das Bundeswirtschaftsministerium ein stagnierendes Bruttoinlandsprodukt. Obendrein bremst die Nachhaltigkeitsregulierung laut einer Umfrage des Genoverbands die Kreditvergabe an Firmenkunden.
Aktie nahe Jahreshoch
Die Unsicherheit spiegelt sich im Kurs kaum wider. Die Commerzbank-Aktie schloss am Freitag bei 37,68 Euro — nur rund drei Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 38,85 Euro vom 19. Juni. Über zwölf Monate liegt das Plus bei knapp 41 Prozent. Der RSI von 57 zeigt keine Überhitzung.
Am 3. Juli 2026 läuft die Annahmefrist des UniCredit-Angebots ab. Ob die Strafanzeige des Betriebsrats das Verfahren rechtlich verzögert oder die Stimmung unter Großaktionären kippt, entscheidet sich in den nächsten 96 Stunden.
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