UniCredit meldet eine Annahmequote von fast elf Prozent — aber die Commerzbank zweifelt daran. Intern findet das Frankfurter Institut keinen einzigen institutionellen Investor, der tatsächlich Aktien angedient hat. Das klingt nach einem handfesten Konflikt, und der Betriebsrat zieht jetzt die schärfste Waffe, die er hat.
Lücke zwischen Meldung und Realität
UniCredit gab am 10. Juni eine Annahmequote von 10,95 Prozent bekannt. Commerzbank-interne Aktionärsdaten erzählen eine andere Geschichte. Kein institutioneller Investor identifizierbar, der Aktien eingereicht hat. Privatanleger steuerten lediglich rund 0,05 Prozent bei. Die Lücke zum gemeldeten Wert ist damit enorm.
Hinzu kommt ein auffälliger Anstieg am Wertpapierleihemarkt. Seit Ankündigung des Angebots hat sich die Leihaktivität bei Commerzbank-Aktien mehr als verzehnfacht. Das Commerzbank-Management wertet das als Hinweis darauf, dass die angedienten Aktien größtenteils geliehene Papiere sind.
Strafanzeige und Aufsichtsbehörde im Einsatz
Der Gesamtbetriebsrat reagiert mit einer Strafanzeige gegen UniCredit. Der Vorwurf: irreführende Praktiken im Übernahmeverfahren. Kein Routineschritt — eine Strafanzeige gegen ein europäisches Großinstitut ist ungewöhnlich.
Die BaFin will vor Fristablauf Klarheit schaffen. Im Fokus steht der tatsächliche Anteil von UniCredit — inklusive möglicher Derivatepositionen, die den Einfluss auf rund 37 Prozent erhöhen könnten. Vorstand und Aufsichtsrat der Commerzbank empfehlen weiterhin, das Angebot abzulehnen.
Dienstag entscheidet
Die erste Annahmefrist läuft am Dienstag, den 16. Juni ab. Dann liegt das offizielle Ergebnis vor — und gibt erstmals belastbare Zahlen, wie viele Aktionäre das Angebot tatsächlich angenommen haben.
Die Commerzbank-Aktie schloss am Freitag bei 36,76 Euro, rund 3,6 Prozent unter ihrem Jahreshoch von 38,15 Euro vom 1. Juni. Auf Jahressicht liegt das Papier gut 31 Prozent im Plus — der Übernahmepoker hat den Kurs angetrieben. Ob UniCredit am Dienstag belastbare Zahlen liefert oder die Diskrepanz zur Commerzbank-Version bestehen bleibt, dürfte die nächste Eskalationsstufe bestimmen.
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