Es ist das Bild, das gerade durch den WhatsApp-Chat des Commerzbank-Betriebsrats kursiert: ein Trojanisches Pferd, vollgestopft mit UniCredit-Soldaten, Speere im Anschlag. Darunter die Bildunterschrift: „Andrea Orcel kann man nicht trauen.“ Mehr als 3.000 Mitarbeiter folgen diesem Kanal. Und in Berlin denkt man derweil über etwas nach, das vor einem Jahr noch undenkbar schien.
Der letzte Ausweg heißt KfW
Laut Reuters prüfen Teile der Bundesregierung, ob die staatliche Förderbank KfW einen größeren Anteil an der Commerzbank übernehmen könnte. Deutschland hält bereits 12 Prozent, ein Erbe der Finanzkrise vor zwei Jahrzehnten. Dieser Anteil ist an der Börse mehr als 4,5 Milliarden Euro wert. Ihn auf eine Sperrminorität von 25 Prozent aufzustocken würde mindestens noch einmal so viel kosten, und das in einem Land, das gerade jeden Euro zweimal umdreht.
Armand Zorn, einflussreicher SPD-Bundestagsabgeordneter und Vizechef der Fraktion, sagte es immerhin offen: Eine KfW-Beteiligung „sollte als letzter Ausweg in Betracht gezogen werden, wenn alle anderen Optionen scheitern“. Die Wirkung gehe weit über das Symbolische hinaus, so Zorn.
Orcel lässt sich nicht abschütteln
Das Problem ist, dass die anderen Optionen bereits gescheitert sind. UniCredit-Chef Andrea Orcel baut seit 2024 seinen Anteil auf, hält inzwischen knapp 30 Prozent und hat am Dienstag formal ein Übernahmeangebot vorgelegt, das Commerzbank-Chef Bettina Orlopp und Kanzler Friedrich Merz als zu niedrig und schlicht unerwünscht bezeichnen. Orcel kontert, die Commerzbank lebe ihr Potenzial nicht aus und ihr aktueller Kurs gefährde mittelfristig ihre Existenz. Dazu ließ er eine negative Social-Media-Kampagne schalten, die Deutschlands Finanzaufsicht prompt untersagte.
Dass ein italienisches Institut die zweitgrößte deutsche Privatbank schlucken will, ist das eine. Dass Berlin bisher keinen wirksamen Hebel gefunden hat, das andere.
Commerzbank AG Aktie Chart
Freitag als Schicksalstag
Commerzbank selbst will am Freitag mit einer aktualisierten Strategie zeigen, was sie als eigenständiges Institut wert ist. Inklusive einer weiteren Runde Stellenabbau, der dritten in diesem Jahrzehnt. Die Bank hat bereits 10.000 Stellen gestrichen, weitere 3.900 sind angekündigt. Orcel hat signalisiert, er würde am Frankfurter Hauptsitz noch tiefer schneiden.
Große Mittelstandskunden wie Juergen Lindhorst, Chef der Lindhorst Group mit 4.000 Mitarbeitern, drohen mit dem Abgang, sollte UniCredit das Rennen machen. WISAG-Chef Michael Wisser, Kunde beider Banken, bringt es auf den Punkt: „Es wird keinen Deal geben, wenn die Bundesregierung eine sehr klare Haltung einnimmt.“
Genau das ist das Problem. Eine klare Haltung kostet in diesem Fall mehrere Milliarden Euro, die Deutschland gerade nicht hat.
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