Commerzbank Aktie: Berlin lenkt ein, Orcel sichert 47,6 Prozent

Die Bundesregierung gibt ihren Widerstand gegen die UniCredit-Übernahme auf und bereitet Verhandlungen vor. Der Aktienkurs reagiert positiv auf die neue politische Lage.

Auf einen Blick:
  • Politischer Frontwechsel in Berlin
  • UniCredit kontrolliert fast 50 Prozent
  • Orcel zeigt sich zuversichtlich
  • Aktie steigt auf 37,69 Euro

Die Bundesregierung rückt von ihrer Ablehnung der UniCredit-Übernahme ab. Das ist die eigentliche Nachricht hinter dem jüngsten Kursverlauf der Commerzbank-Aktie. Ein politischer Frontwechsel in Berlin verändert die Ausgangslage im Übernahmeringen fundamental.

Die Commerzbank-Aktie notiert aktuell bei 37,69 Euro, ein Plus von 0,45 Prozent. Der Kurs bewegt sich damit nur knapp unter seinem 52-Wochen-Hoch von 39,18 Euro.

Bundesregierung erarbeitet Forderungskatalog

Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg gibt Berlin die grundsätzliche Ablehnung auf. Stattdessen erarbeitet die Regierung einen Forderungskatalog für mögliche Verhandlungen mit UniCredit.

Bundeskanzler Friedrich Merz hatte diesen Kurswechsel bereits angedeutet. Die Aktionäre sollen über das Schicksal der Bank entscheiden, nicht die Politik, so seine Position.

UniCredit-Chef Andrea Orcel reagiert auf die Entwicklung mit spürbarem Optimismus. Im Interview zeigt er sich zuversichtlich, dass der politische Widerstand in Deutschland weiter abnimmt.

UniCredit kontrolliert fast die Hälfte der Aktien

Orcels Zuversicht stützt sich auf handfeste Zahlen. Zum Stichtag des Übernahmeverfahrens am 8. Juli kontrollierte UniCredit direkt 44,37 Prozent der Commerzbank-Aktien.

Über Finanzinstrumente und Kaufoptionen kommt weiterer Zugriff hinzu. Insgesamt erreicht UniCredit damit rund 47,6 Prozent der Aktien und etwa 49,7 Prozent der Stimmrechte.

Diese Quote reicht in aller Regel für eine Mehrheit auf Hauptversammlungen. Nur ein Teil der Aktionäre nimmt üblicherweise überhaupt teil.

Bei der finalen Annahmefrist des Übernahmeangebots entschieden sich institutionelle Aktionäre mehrheitlich für den Aktientausch. UniCredit sicherte sich so 17,6 Prozent der Aktien aus dem Streubesitz. Lediglich zwei Prozent davon stammten von Kleinaktionären, den Löwenanteil lieferten Großaktionäre, Banken und Fonds.

Der deutsche Staat bleibt trotz des politischen Kurswechsels ein relevanter Anteilseigner. Der Bund war während der Finanzkrise vor rund anderthalb Jahrzehnten als Retter eingestiegen und hält noch immer etwa zwölf Prozent der Commerzbank-Anteile. Die politische Front gegen den Deal löst sich dennoch zunehmend auf.

Orcel verteidigt die strategische Logik

Orcel untermauert seine Position mit der langfristigen Strategie hinter dem Vorhaben. Für ihn macht die Übernahme von Commerzbank und deren polnischer Tochter mBank UniCredit endgültig zu einer paneuropäischen Bank. Kritik an möglichen negativen Folgen für die Commerzbank weist er zurück.

Die Marktreaktion auf die Signale aus Berlin fällt verhalten positiv aus. Investoren dürften nun genau beobachten, wie sich der angekündigte Forderungskatalog konkretisiert und ob daraus tatsächlich Verhandlungen entstehen. Die Aktie notiert klar über dem ursprünglichen Angebotswert von rund 32,50 Euro je Aktie, ein Zeichen für die gestiegene Markterwartung an einen erfolgreichen Abschluss.

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