Commerzbank bekommt im Übernahmekonflikt mit UniCredit Rückenwind von den eigenen Aktionären. Auf der Hauptversammlung in Wiesbaden stützten sie den Kurs der Eigenständigkeit und genehmigten eine deutlich höhere Ausschüttung. Brisant: UniCredit saß ausgerechnet bei diesem Treffen nicht im Saal.
Der Markt reagiert am Donnerstag trotzdem kühl. Die Aktie notiert bei 35,75 Euro und verliert 3,85 Prozent gegenüber dem Schlusskurs von 37,18 Euro am Vortag.
Aktionäre stützen den Eigenständigkeitskurs
Das klare Signal der Hauptversammlung richtet sich auch nach Mailand. Vorstand und Aufsichtsrat hatten die Aktionäre erneut aufgefordert, das freiwillige öffentliche Übernahmeangebot der UniCredit nicht anzunehmen. Ihre Begründung: Das Angebot spiegele den fundamentalen Wert und die Perspektiven der Commerzbank nicht angemessen wider.
Die Italiener konnten an der Abstimmung nicht teilnehmen. UniCredit hatte die eigenen Aktien nicht fristgerecht bis zum 13. Mai für die Hauptversammlung registriert. Für die Commerzbank-Führung ist das ein symbolischer Punkt in einem ohnehin politisch und strategisch aufgeladenen Konflikt.
Gesprächsbereit zeigt sich Frankfurt dennoch. Voraussetzung wäre laut Management eine attraktive Prämie und ein Plan, der die Stärken des Geschäftsmodells berücksichtigt. Das ist eine klare Linie: Offen für Wert, aber nicht für ein Angebot unter den eigenen Erwartungen.
Mehr Geld für Aktionäre
Die Dividende steigt auf 1,10 Euro je Aktie, nach 0,65 Euro im Vorjahr. Die Zustimmung lag bei 99,88 Prozent. Damit haben die Aktionäre den Ausschüttungskurs nahezu geschlossen abgesegnet.
Die Auszahlung summiert sich auf rund 1,2 Milliarden Euro. Zusammen mit bereits abgeschlossenen Rückkaufprogrammen kommt die Kapitalrückführung auf rund 2,7 Milliarden Euro. Das entspricht 100 Prozent des Nettoergebnisses vor Restrukturierungsaufwendungen und nach AT1-Kuponzahlungen.
Auch die neue Rückkauf-Ermächtigung bekam breite Unterstützung. Der Vorstand darf Aktien bis zu 10 Prozent des Grundkapitals erwerben; die zugehörigen Beschlüsse erreichten Mehrheiten von 96,25 Prozent und 97,79 Prozent.
Der Plan dahinter ist ehrgeizig. Die Bank will die Kapitalrückgabe in den kommenden Jahren weiter steigern und eine Ausschüttungsquote von 100 Prozent anstreben, bis die CET1-Zielquote von 13,5 Prozent erreicht ist.
Momentum 2030 liefert die Messlatte
Mit „Momentum 2030“ setzt die Commerzbank auf eine deutlich profitablere Zukunft. Die Erträge sollen bis 2030 auf 16,8 Milliarden Euro steigen, der Konzerngewinn auf 5,9 Milliarden Euro. Damit legt das Management die Latte hoch.
Auch bei der Effizienz sind die Ziele klar definiert. Die Cost-Income-Ratio soll inklusive Pflichtbeiträgen auf 43 Prozent sinken, ohne Pflichtbeiträge auf 41 Prozent. Die Nettoeigenkapitalrendite soll 21 Prozent erreichen.
Rückenwind kommt von den jüngsten Zahlen. Im ersten Quartal stieg das operative Ergebnis um 11 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro, das Nettoergebnis lag bei 913 Millionen Euro. Das unterfüttert die Botschaft der Hauptversammlung: Die Bank will ihre Unabhängigkeit nicht nur verteidigen, sondern finanziell rechtfertigen.
Für 2026 peilt die Commerzbank nun mindestens 3,4 Milliarden Euro Nettoergebnis an. Diese Marke wird im Übernahmestreit besonders wichtig, weil sie den Abstand zwischen aktuellem Angebot und eigener Wertvorstellung greifbarer macht.
RBC Capital Markets sieht ebenfalls mehr Spielraum. Die Bank hob das Kursziel von 37 auf 43 Euro und verwies auf die erwartete Steigerung der Eigenkapitalrendite. Nach den Quartalszahlen bestätigte RBC diese Einschätzung.
Technisch bleibt die Aktie trotz des Rücksetzers gut gelaufen. Auf Sicht von zwölf Monaten steht noch ein Plus von 37,18 Prozent, der Kurs liegt 5,38 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt und 6,52 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt. Der RSI von 81,0 signalisiert allerdings eine überhitzte Lage.
Kurzfristig prallen damit zwei Signale aufeinander: operative Stärke und eine Aktie, die nach dem jüngsten Lauf Luft ablässt. Solange UniCredit keine höhere Prämie und keinen belastbaren Plan vorlegt, bleibt das Votum der Hauptversammlung ein starkes Mandat für den eigenständigen Kurs.
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