Die Commerzbank hat ihre Gewinnprognose deutlich angehoben und gleichzeitig eine großzügigere Ausschüttungspolitik in Aussicht gestellt. Der Markt reagierte darauf am Freitag dennoch mit Verkäufen – ein Zeichen dafür, dass die laufende Übernahmedebatte mit UniCredit derzeit stärker auf den Kurs wirkt als operative Zahlen.
Höheres Gewinnziel, fast vollständige Ausschüttung
Der Vorstand hebt die Gewinnprognose auf mindestens 3,4 Milliarden Euro an, nachdem zuvor ein Ziel von über 3,2 Milliarden Euro galt. Für die Jahre 2026 bis 2028 stellt das Institut zudem eine Ausschüttungsquote von nahezu 100 Prozent in Aussicht – ein deutliches Signal an Aktionäre, die auf laufende Kapitalrückgaben setzen. Die vollständigen Zahlen zum zweiten Quartal und zum ersten Halbjahr will die Commerzbank am 6. August vorlegen. Auf der technologischen Seite integriert das Institut zudem Google Cloud Gemini und Microsoft 365 Copilot in seine Abläufe.
Trotz der angehobenen Prognose schloss die Aktie am Freitag bei 36,66 Euro und verlor auf Tagessicht 3,25 Prozent. Der Titel notiert damit rund 1,2 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 37,11 Euro und liegt 6,43 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 39,18 Euro, das erst Mitte Juli erreicht wurde. Die kurzfristige Schwäche dürfte weniger an den Geschäftszahlen liegen als an der Unsicherheit rund um die Übernahmegespräche mit dem italienischen Großaktionär.
UniCredit rückt näher an die Übernahme
Die eigentliche Kernfrage für Anleger bleibt der Fortgang der Übernahme durch UniCredit. Die Italiener hatten sich bis zum 3. Juli 44,37 Prozent der Commerzbank-Aktien gesichert, unter Einbeziehung von Derivaten liegt der Anteil bei 47,59 Prozent. Aus einem separaten Übernahmeangebot ging zudem eine Annahmequote von 17,60 Prozent hervor, wovon weniger als 2 Prozentpunkte auf unabhängige Investoren entfielen – ein Hinweis darauf, dass ein Großteil der eingereichten Aktien bereits aus dem UniCredit-nahen Lager stammte.
Politisch hat sich das Blatt zuletzt gewendet. Bundeskanzler Merz signalisierte am 15. Juli, dass Berlin den Zusammenschluss nicht verhindern werde. Die Bundesregierung bereitet nun konkrete Bedingungen für die Gespräche vor: Im Mittelpunkt stehen die Sicherung der Mittelstandsfinanzierung und der Erhalt des Standorts Frankfurt. Sowohl die EU-Kommission als auch die EZB unterstützen den grenzüberschreitenden Zusammenschluss grundsätzlich. Dennoch dürfte sich das Verfahren hinziehen: Neben der Zustimmung der Bafin sind auch die EZB, die US-Notenbank Fed sowie Kartellbehörden in den USA, der EU, Serbien und Russland gefragt, hinzu kommen sicherheitsrechtliche Prüfungen. Mit einer Entscheidung der EU-Kartellwächter wird bis November gerechnet, mögliche Sanktionsfragen im Zusammenhang mit Russland gelten als potenzieller Stolperstein für den Zeitplan. UniCredit selbst schloss zuletzt bei 80,29 Euro, ein Rückgang von 2,51 Prozent, und wurde bei den Euromoney Awards 2026 als beste Bank Europas ausgezeichnet.
Analysten bleiben trotz Unsicherheit optimistisch
Trotz der Übernahmegemengelage sehen Analysehäuser weiterhin Aufwärtspotenzial für die Commerzbank-Aktie. Die Deutsche Bank Research stuft den Titel mit „Buy“ ein und nennt ein Kursziel von 42 Euro, RBC votiert mit „Outperform“ und einem Kursziel von 43 Euro. Beide Einschätzungen liegen damit spürbar über dem aktuellen Kursniveau. Zusätzlich meldete Jefferies eine Änderung seiner Beteiligung an dem Institut, was auf eine veränderte Positionierung institutioneller Anleger im Umfeld der Übernahmegespräche hindeutet.
Für Anleger bleibt die Gemengelage aus verbesserten operativen Kennziffern und offener Übernahmefrage die zentrale Herausforderung. Die höhere Gewinnprognose und die avisierte Ausschüttungsquote stärken die fundamentale Bewertung, während der politische und regulatorische Prozess rund um UniCredit weiterhin für Schwankungen sorgt. Der Termin am 6. August dürfte zeigen, ob die operative Entwicklung die angehobenen Ziele bereits im ersten Halbjahr untermauert.
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