Die Commerzbank hat am Donnerstag das beste Halbjahresergebnis ihrer Geschichte vorgelegt und den Aktionären zugleich eine deutlich höhere Kapitalrückgabe in Aussicht gestellt. Das operative Ergebnis kletterte im ersten Halbjahr 2026 um 14 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro, der Nettogewinn stieg auf einen Rekordwert von 1,8 Milliarden Euro. Die Nettoeigenkapitalrendite erreichte 12,6 Prozent, den Ausblick für das Gesamtjahr 2026 bestätigte der Vorstand.
Rekordgewinn speist Ausschüttung an Aktionäre
Aus dem Rekordergebnis leitet die Bank eine Kapitalrückgabe von rund 3,2 Milliarden Euro ab – nahezu der gesamte Nettogewinn nach Abzug der AT1-Kuponzahlungen soll an die Aktionäre zurückfließen. Mindestens 50 Prozent davon sind als Dividende geplant, den Rest deckt der Aktienrückkauf ab. Bereits im Juli hatte die Bank einen Rückkauf über bis zu 1,2 Milliarden Euro beantragt; die EZB hat diesem bereits zugestimmt, die Zustimmung der Finanzagentur des Bundes steht noch aus.
UniCredit-Übernahme nimmt regulatorische Hürde
Parallel zu den Geschäftszahlen bewegt sich auch das Übernahmevorhaben von UniCredit einen Schritt weiter durch die Aufsicht. Die BaFin stufte den Antrag der italienischen Bank auf eine Mehrheitsbeteiligung am Mittwoch als vollständig ein und leitete ihn an die EZB weiter. Die europäische Aufsicht hat nun 60 Arbeitstage Zeit für ihre Entscheidung, Marktbeobachter rechnen mit einer Genehmigung.
UniCredit hält nach eigenen Angaben bereits fast 48 Prozent der Stimmrechte an der Commerzbank, hinzu kommen rund 11 Prozent über Finanzinstrumente ohne Stimmrecht. Die Bundesregierung bleibt mit etwa 12,7 Prozent zweitgrößter Aktionär und bekräftigte erneut, ihren Anteil nicht an UniCredit zu übertragen. Das im Juli abgelaufene Übernahmeangebot war bei den übrigen Aktionären kaum auf Resonanz gestoßen: Nur 2,7 Prozent der institutionellen und privaten Anleger hatten ihre Aktien angedient.
Analysten uneins, Kurs gibt nach
Nach den Zahlen reagierten Analysten unterschiedlich. JPMorgan-Analyst Kian Abouhossein hob das Kursziel von 37 auf 38 Euro an, beließ die Einstufung jedoch bei „Neutral“ und erhöhte die Gewinnschätzungen für die Jahre 2026 bis 2028 nur moderat. RBC Capital Markets zeigte sich zuversichtlicher und bestätigte die Einstufung „Outperform“ mit einem Kursziel von 43 Euro.
Am Aktienmarkt honorierten Anleger die Entwicklung zunächst mit Kursgewinnen: Am Dienstag war das Papier mit einem Plus von 3,12 Prozent größter DAX-Gewinner. Am Donnerstag setzten dann Gewinnmitnahmen ein, die Aktie schloss 1,63 Prozent leichter bei 38,55 Euro.
Damit notiert das Papier rund 3,26 Prozent unter seinem erst gestern erreichten 52-Wochen-Hoch von 39,85 Euro. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Kursplus von 6,79 Prozent zu Buche – ein Beleg dafür, dass Rekordzahlen und Übernahmefantasie das Papier trotz kurzfristiger Rücksetzer stützen.
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