Ein knappes halbes Jahr nach der Abspaltung zieht Comcast eine erste Bilanz seines TV-Experiments. Versant Media Group, im Januar aus dem Kabelnetz-Portfolio von NBCUniversal ausgegliedert, hat am Donnerstag die Jahresprognose angehoben und die Wall-Street-Erwartungen übertroffen. Für Comcast-Aktionäre ist das mehr als eine Randnotiz — schließlich war die Trennung von Sendern wie CNBC, USA Network und The Golf Channel eine der größten strukturellen Entscheidungen des Konzerns der vergangenen Jahre.
Versant hebt Prognose an
Versant rechnet für 2026 nun mit einem Umsatz zwischen 6,2 und 6,45 Milliarden Dollar sowie einem bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 1,9 bis 2,05 Milliarden Dollar. Im zweiten Quartal sank der Gesamtumsatz zwar um 3,8 Prozent auf 1,64 Milliarden Dollar, das lineare TV-Geschäft mit Sendern wie Syfy und Oxygen büßte sogar 6,3 Prozent auf 954 Millionen Dollar ein. Der Nettogewinn fiel um 30 Prozent auf 211 Millionen Dollar — auch wegen separationsbedingter Zinskosten aus dem Comcast-Spinoff.
Spannender ist der Blick auf die Wachstumsfelder: Die Plattform-Sparte mit Fandango und GolfNow legte ohne die Abspaltung von SportsEngine um 9,3 Prozent zu. Genau diese Verschiebung weg vom klassischen Pay-TV-Modell hin zu digitalen und Streaming-Erlösen war das erklärte Ziel der Abspaltung — aktuell stammen noch über 80 Prozent der Versant-Erlöse aus dem klassischen TV-Geschäft.
Comcast Business baut Firmenkunden aus
Während sich der Medienarm neu sortiert, treibt Comcast im Kerngeschäft die Vernetzung von Firmenkunden voran. Mit dem Infrastrukturdienstleister Smartlink hat Comcast Business am eigenen Firmensitz in Annapolis ein privates Funknetz installiert, das klassische Antennenanlagen ersetzt und Mobilfunk- sowie dediziertes Firmennetz in einer verwalteten Plattform bündelt. Solche Enterprise-Lösungen sollen künftig als Blaupause für weitere Gewerbeimmobilien dienen.
Versant will sein bereits laufendes Aktienrückkaufprogramm am 7. August um weitere 100 Millionen Dollar verlängern, der Abschluss ist für das dritte Quartal angepeilt. Für Comcast bleibt die eigentliche Frage, wie schnell sich die Diversifizierung des Kerngeschäfts über Business-Dienste und Breitband auszahlt, während der einst prägende Kabelfernseh-Bereich nun eigenständig seinen Weg sucht.
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