Coinbase: Uptober und andere Kurstreiber
Coinbase ist der größte Kryptobörsenbetreiber der USA. Über die gleichnamige Plattform kaufen, verkaufen und verwahren Privatanleger wie Großinvestoren Digitalwährungen wie Bitcoin und Ethereum. Seit 2021 ist das Unternehmen aus San Francisco selbst an der Börse notiert, seit vergangenem Jahr gehört es als erster Kryptokonzern überhaupt dem Eliteindex S&P 500 an. Die Aktie gilt vielen Anlegern als einfacher Weg, am Krypto-Markt teilzuhaben, ohne ein Wallet eröffnen und direkt in eine Digitalwährung investieren zu müssen – mit allen Chancen, aber auch allen Schwankungen, die dieser Markt mit sich bringt.
Das erste Halbjahr 2026 war für nahezu alle Kryptowährungen eine Talfahrt. Der Bitcoin rutschte von seinen Höchstständen deutlich ab, die Handelsvolumina brachen ein, und Coinbase als größter US-Handelsplatz litt entsprechend mit. Zur Jahresmitte musste der Konzern einen Umsatzrückgang von 18% ausweisen; statt des zu Jahresbeginn noch erhofften Gewinns stand unter dem Strich ein Verlust. Die Aktie stürzte in der Spitze von über 400 auf nur noch 139 Dollar ab.
Wie Coinbase unabhängiger vom Krypto-Preis wird
Dem Coinbase-Management ist die extreme Schwankungsanfälligkeit des Geschäfts schon länger ein Dorn im Auge. Es versucht daher seit Jahren, Einnahmequellen zu erschließen, die die Preisschwankungen bei den Digitalwährungen – und damit die Umsätze – glätten. Dazu gehört das Geschäft mit dem Digital-Dollar USDC, dessen Bestände auf der Plattform zuletzt auf den Rekordwert von 19 Mrd. Dollar kletterten.
Jeder USDC-Token ist durch einen echten Dollar gedeckt, der überwiegend in kurzlaufenden US-Staatsanleihen angelegt wird. An den Zinserträgen aus diesen Reserven ist Coinbase kräftig beteiligt: Je mehr USDC im Umlauf sind und je höher die Zinsen, desto mehr verdient der Konzern – ganz ohne, dass eine einzige Kryptomünze gehandelt werden muss. Hinzu kommen 520 Mio. Dollar Quartalsumsatz aus Abos und Dienstleistungen, Erlöse, die weitgehend unabhängig davon fließen, ob an den Kryptomärkten gerade Party oder Katerstimmung herrscht.
In der jüngsten Schwächephase hat der Konzern diese Anstrengungen noch einmal verstärkt und das Geschäftsmodell von der reinen Kryptobörse zur „Börse für alles“ erweitert. Kunden können jetzt rund um die Uhr an fünf Tagen die Woche provisionsfrei Aktien und ETFs handeln, dazu kommen Terminkontrakte und Prognosemärkte, auf denen auf den Ausgang von Ereignissen gewettet werden kann – von der Fed-Zinsentscheidung bis zum Sportergebnis.
Gerade die Prognosemärkte entpuppen sich als attraktives Wachstumsfeld: Nur zwei Monate nach dem Start erreichten sie laut Management bereits einen annualisierten Umsatz von 100 Mio. Dollar. Seit Kurzem ist außerdem eine Finanzplattform für Firmenkunden am Start. So wird der Konzern Stück für Stück unabhängiger vom launischen Handelsgeschäft, das die Zahlen im ersten Halbjahr verhagelt hat.
Alle drei Lizenzen jetzt unter einem Dach
Nun kommt ein weiterer Baustein hinzu. Die US-Terminmarktaufsicht CFTC hat die Tochter Coinbase Clearing als Clearinghaus registriert. Damit hält Coinbase als erster Kryptokonzern alle drei Kernlizenzen des US-Terminhandels – Börse, Broker und Clearinghaus – unter einem Dach. Der Konzern kann Terminkontrakte, Optionen und Swaps künftig komplett selbst abwickeln, ohne Umweg über Dritte. Das senkt die Kosten, beschleunigt die Einführung neuer Produkte und macht die Plattform für institutionelle Anleger deutlich attraktiver, die auf eine lückenlos regulierte Abwicklung angewiesen sind.
Das Derivategeschäft gilt als der am schnellsten wachsende Teil des Kryptomarkts. Weltweit läuft bereits heute ein Großteil des Krypto-Handelsvolumens über Terminkontrakte – nur fand dieses Geschäft bislang überwiegend außerhalb der USA statt. Diese Lücke kann Coinbase jetzt schließen. Was in der Pressemeldung technisch klingt, ist ein Wettbewerbsvorteil, den Konkurrenten so schnell nicht kopieren können: Der Aufbau eines solchen Lizenz-Trios hat Jahre gedauert.
Kryptomarkt nimmt wieder Fahrt auf
Abseits der unternehmensspezifischen Nachrichten hellt sich auch das Umfeld auf. Der Bitcoin hat sich auf rund 86.000 Dollar zurückgearbeitet, verschiedene kleinere Digitalwährungen haben ihren Kurs seit dem Sommertief sogar verdoppelt.
Und der Oktober gilt unter Krypto-Anlegern als traditionell starker Monat – in der Szene liebevoll „Uptober“ genannt. Erfahrungsgemäß geht es mit Kryptowährungen innerhalb kürzester Zeit nach oben, wenn die Lawine einmal ins Rollen gerät – und Coinbase als größter US-Handelsplatz verdient an jeder dieser Bewegungen mit.
Breiteres Geschäft, niedrigere Kosten, Lizenzvorteil
Die Coinbase-Aktie ist nach dem Kurssprung von gut 13% in der Vorwoche zuletzt wieder etwas zurückgekommen und notiert damit weiterhin deutlich unter ihren Höchstständen vom Jahresbeginn. Die Erholung im dritten Quartal, die Perspektive für den Kryptomarkt im Schlussquartal und die vielen neuen Geschäftsfelder abseits der reinen Handelsplattform scheinen allerdings im Kurs bislang nur zum Teil abgebildet.
Aus meiner Sicht trifft das Management derzeit viele richtige Entscheidungen: Ein breiteres Geschäft mit wiederkehrenden Erlösen, niedrigere Kosten und jetzt noch der Lizenzvorteil gegenüber der Konkurrenz – diese Mischung dürfte sich in den kommenden Quartalen auch im Aktienkurs bemerkbar machen.
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