Am gestrigen Freitag geriet die Aktie von Coinbase unter Druck und verzeichnete einen Kursrückgang von 3,4 Prozent. Hintergrund der Verunsicherung am Markt ist die Entscheidung der US-Börsenaufsicht SEC, ein geplantes Treffen zur Erörterung von Regeln für Krypto-Investitionsverträge auf unbestimmte Zeit zu verschieben.
Parallel dazu verzögert die Behörde eine vorgeschlagene „Innovationsbefreiung“ für den tokenisierten Aktienhandel, was Hoffnungen auf eine zeitnahe regulatorische Lockerung in den USA dämpft. Damit notiert das Papier bei 128,88 Euro und setzt die schwache Tendenz seit Jahresbeginn fort, die sich in einem Minus von 35 Prozent widerspiegelt.
Regulatorische Spannungen und diplomatischer Gegenwind
Trotz der jüngsten Rückschläge durch die SEC zeichnet sich auf politischer Ebene Bewegung ab. Medienberichten zufolge nehmen Führungskräfte von Coinbase am kommenden Mittwoch, den 19. August, an einem Treffen im Weißen Haus teil.
Gemeinsam mit Vertretern von Ripple und Circle soll dort über die künftige Regulierung digitaler Vermögenswerte sowie den ins Stocken geratenen CLARITY Act beraten werden. Ziel der Branche ist es, mehr Rechtssicherheit für den US-Markt zu erwirken.
In rechtlicher Hinsicht gab es für Coinbase zuletzt gemischte Signale. Das Unternehmen konnte zwar einen Vergleich mit der SEC in einem Rechtsstreit um Informationsfreiheit erzielen, bei dem die Behörde unter anderem Fehlgriffe bei der Aktenführung einräumen musste.
Doch auf staatlicher Ebene musste Coinbase am 7. August eine Niederlage hinnehmen: Ein Bundesrichter in Michigan lehnte den Antrag des Unternehmens ab, staatliche Regulierungsbehörden an der Durchsetzung von Glücksspielgesetzen gegen Prognosemarktkontrakte zu hindern. Das Gericht entschied, dass Bundesrecht den Zuständigkeitsbereich der Bundesstaaten in dieser Angelegenheit nicht aushebelt.
Expansion nach Abu Dhabi und technologischer Fortschritt
Während das regulatorische Umfeld in der Heimat schwierig bleibt, treibt Coinbase seine globale Präsenz voran. Am Donnerstag erhielt das Unternehmen eine Lizenz der Finanzaufsicht des Abu Dhabi Global Market (ADGM). Diese Erlaubnis ermöglicht es Coinbase, einen internationalen Knotenpunkt für die Tokenisierung einzurichten, der sowohl die Vermittlung als auch die Verwahrung von tokenisierten Wertpapieren abdeckt.
Flankiert wird dieser Expansionskurs durch technologische Neuerungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Die Plattform „Coinbase Business“ ermöglicht es seit Donnerstag mehr als 5.000 Händlern, sofortige Zahlungen in der stabilen Kryptowährung USDC von KI-Agenten zu akzeptieren. Hierbei kommt der offene Standard x402 zum Einsatz, was die Integration von automatisierten Finanzprozessen im E-Commerce fördern soll.
Analysten reagieren auf schwache Quartalszahlen
Die finanzielle Lage bleibt unterdessen angespannt. Anfang August meldete Coinbase für das zweite Quartal einen Umsatz von 1,22 Milliarden US-Dollar, womit die Erwartungen von 1,29 Milliarden US-Dollar verfehlt wurden.
Der Nettoverlust belief sich auf 359,5 Millionen US-Dollar oder 1,36 US-Dollar je Aktie – ein Wert, der deutlich schlechter ausfiel als der Marktkonsens von minus 0,44 US-Dollar. Besonders belastend wirkte der Rückgang der Transaktionseinnahmen um 21 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Ein strategischer Wandel wird in der Zusammensetzung der Erlöse sichtbar: Während Bitcoin-bezogene Transaktionen vor einem Jahr noch über die Hälfte des Umsatzes ausmachten, sank dieser Anteil im zweiten Quartal auf nur noch 12 Prozent.
Analysten reagierten prompt auf die Bilanz und die verhaltene Prognose für das laufende Quartal. Das Analysehaus Mizuho senkte am 3. August das Kursziel von 200 auf 155 US-Dollar und verwies auf die Volatilität der Transaktionseinnahmen. Baird reduzierte das Ziel am selben Tag von 155 auf 130 US-Dollar.
Mit einem aktuellen Abstand von minus 6,7 Prozent zum 50-Tage-Durchschnitt bleibt die Aktie charttechnisch in einer schwierigen Lage, während der Markt nun gespannt auf die Ergebnisse des bevorstehenden Gipfeltreffens in Washington blickt.
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