Quantencomputer gelten als theoretische Gefahr für die Kryptografie hinter Bitcoin. Coinbase will nicht abwarten, bis die Bedrohung real wird. Die Börse hat heute einen technischen Prioritätenkatalog für den Übergang des Netzwerks zu quantensicheren Verfahren veröffentlicht und mahnt zum frühzeitigen Start.
Flexibilität als Leitprinzip
Die Migration werde ein komplexer Prozess über mehrere Jahre, so Coinbase. Konsensänderungen bei Bitcoin und Anpassungen im gesamten Ökosystem brauchten Zeit. Deshalb müsse die Arbeit beginnen, bevor ein kryptografisch relevanter Quantencomputer angekündigt werde.
Zentral ist die Forderung nach modularen Designs. Neue Ausgabeformate sollen den „Container“ von der Signaturmethode trennen. So ließen sich Verfahren einführen, austauschen oder ergänzen, ohne alles neu zu entwerfen. Als Konstruktionen mit dieser Eigenschaft nennt Coinbase P2MR (BIP-360) und P2TRv2.
Außerdem bevorzugt das Unternehmen einen gestaffelten Schutz. Aktive Wallets könnten zunächst quantenfähige oder hybride Konstruktionen nutzen, bevor über den Umgang mit alten Signaturen entschieden ist. Eine Option wäre eine 1-aus-2-Variante: Dieselben Gelder hätten zwei Ausgabepfade, einen über klassische ECDSA- oder Schnorr-Schlüssel, einen über einen quantensicheren Schlüssel.
Anforderungen institutioneller Verwahrer
Bei den Signaturverfahren verlangt Coinbase, dass zustandsbehaftete Varianten stets mit einer zustandslosen Alternative einhergehen. Fehler im Zustandsmanagement könnten sonst Fälschungen ermöglichen. Zudem soll mindestens eine praktikable Option mit Multiparty Computation (MPC) kompatibel sein. Für große Organisationen sei MPC eine wichtige Verteidigungsschicht gegen Schlüsseldiebstahl.
Die Börse verwahrt nach eigenen Angaben rund fünf Prozent aller Bitcoin. Sie bereitet derzeit auch die eigenen Systeme auf die Post-Quanten-Zeit vor. Entsprechend groß ist das Eigeninteresse, dass die Lösung mit institutioneller Verwahrung und gewöhnlichen Wallets funktioniert.
Heikel bleibt der Umgang mit verwaisten oder unzugänglichen Coins. Coinbase hält die Debatte darüber für schwierig, aber nötig. Sie könne parallel zur technischen Arbeit laufen und müsse diese nicht blockieren.
Konkrete Termine für eine Umsetzung nennt das Papier nicht. Es versteht sich als Beitrag zur Diskussion in der Bitcoin-Community, in der Coinbase seine Rolle als gewichtiger Verwahrer und Infrastrukturanbieter ausspielt.
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