Coherent hat im abgelaufenen Geschäftsjahr Rekorde gebrochen, und trotzdem gab die Aktie nach den Zahlen zunächst nach. Als direkte Reaktion gab es erstmal einen Abschlag von rund 5 Prozent, obwohl das Unternehmen für das Geschäftsjahr 2027 einen bemerkenswerten Ausblick lieferte. Der Photonik-Konzern positioniert sich als einer der zentralen Zulieferer für den Ausbau von KI-Rechenzentren und setzt sich ein ehrgeiziges Ziel.
Ein Rekordjahr als Ausgangspunkt
Im vierten Geschäftsquartal erreichte der Umsatz mit 2,05 Milliarden Dollar einen Bestwert, ein Plus von 34 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 1,74 Dollar und übertraf die Erwartungen um zwölf Cent. Für das gesamte Geschäftsjahr summierte sich der Erlös auf rund 7,1 Milliarden Dollar. Der entscheidende Wert steckt jedoch im Geschäftsmix: Das Segment Rechenzentrum und Kommunikation legte um 59 Prozent zu und steht inzwischen für 79 Prozent des Gesamtumsatzes. Aus dem breit aufgestellten Photonik-Anbieter ist ein KI-Infrastruktur-Konzern geworden.
Das eigentliche Signal steckt im Ausblick
Für das erste Quartal 2027 stellt Coherent einen Umsatz von bis zu 2,4 Milliarden Dollar in Aussicht. Vorstandschef James Anderson kündigte an, bis zum Ende des Geschäftsjahres 2027 erstmals ein Quartal mit über drei Milliarden Dollar Umsatz erreichen zu wollen. Getragen wird diese Zuversicht von drei Faktoren: anhaltend hohe Kundennachfrage, die geplante Verdopplung der eigenen Indiumphosphid-Produktion sowie mehrere neue Umsatzquellen.
Dazu zählt die neue Plattform PhotonLink für integrierte Optik, die im September vorgestellt werden soll und ab dem Dezemberquartal erste Erlöse liefern dürfte. Kundenaufträge reichen laut Management inzwischen bis in das Kalenderjahr 2028 hinein.
Coherent Aktie Chart
Analysten heben die Ziele an
Mehrere Häuser reagierten mit höheren Kurszielen. Jefferies bekräftigte die Kaufempfehlung und hob das Ziel von 375 auf 420 Dollar an. Morgan Stanley blieb neutral gewichtet, erhöhte das Ziel aber von 330 auf 375 Dollar. Die Bank of America bestätigte ihr neutrales Votum bei einem Kursziel von 400 Dollar und verwies auf die geringere Margenhebelwirkung im Vergleich zu Wettbewerbern. Kritisch bleibt die Bewertung.
Nach einem Kursanstieg von fast 190 Prozent binnen eines Jahres notiert die Aktie beim rund 60-Fachen der erwarteten Gewinne. Die entscheidende Frage lautet daher, ob das beschleunigte Wachstum diese sportliche Bewertung rechtfertigen kann oder ob schon der kleinste Rückschlag genügt, um die Höhenluft dünn werden zu lassen.
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