Trotz operativer Rekordwerte und einer positiven Geschäftsentwicklung sah sich der US-Technologiekonzern Coherent am gestrigen Mittwoch an den US-Börsen deutlichem Verkaufsdruck ausgesetzt.
Während das Unternehmen ein starkes viertes Quartal präsentierte und einen optimistischen Ausblick auf die kommenden Jahre gab, belastete ein allgemeiner Ausverkauf im Halbleitersektor den Aktienkurs. Dennoch verweist die Konzernleitung auf eine außergewöhnlich hohe Nachfrage im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI), die das Unternehmen für die kommenden Jahre absichert.
Rekordquartal und volle Kapazitäten bis 2027
Coherent meldete für das vierte Geschäftsquartal einen Umsatz von 2,05 Milliarden US-Dollar, was einem Zuwachs von rund 34 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht. Besonders die Nachfrage nach optischen Komponenten für Rechenzentren trieb das Wachstum an; dieses Segment steuerte 1,62 Milliarden US-Dollar zum Gesamtergebnis bei.
Laut CEO Anderson ist das Unternehmen für das gesamte Geschäftsjahr 2027 bereits vollständig ausgebucht. Zudem lägen bereits Festaufträge bis in das Jahr 2028 vor, die teilweise durch „Take-or-Pay“-Vereinbarungen abgesichert seien.
Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist der Hochlauf der Produktion von 6-Zoll-Indium-Phosphid-Wafern (InP). Die Ausbeute in diesem Bereich konnte im Vergleich zum Vorjahr um 80 Prozent gesteigert werden, was deutlich über den ursprünglichen Planungen liegt.
Diese Technologie ist essenziell für die nächste Generation optischer Transceiver, die beim Übergang von 800G- auf 1,6T-Netzwerke in KI-Datenzentren benötigt werden. Coherent profitiert hierbei von einer weltweit knappen Versorgungslage bei diesen kritischen Komponenten.
Marktumfeld überschattet operative Erfolge
Der jüngste Kursrückgang steht im Kontrast zu den gemeldeten Zahlen und wird von Marktbeobachtern primär auf externe Faktoren zurückgeführt. Medienberichten zufolge belastete eine Analyse des Wall Street Journal die gesamte Branche.
Darin wurde über umfangreiche außerbilanzielle Verpflichtungen führender Tech-Unternehmen im Zusammenhang mit KI-Investitionen berichtet. Dies löste Verkäufe bei Chip-Ausrüstern und Zulieferern aus, die auch Coherent erfassten.
Zusätzlich sorgten steigende Renditen für 10-jährige und 30-jährige US-Staatsanleihen für Druck auf Technologiewerte. In diesem schwierigen Umfeld notiert die Aktie aktuell bei 248,90 Euro.
Trotz der kurzfristigen Volatilität weist das Papier seit Jahresanfang ein Plus von 53 Prozent auf. Vom 52-Wochen-Hoch bei 387,50 Euro ist der Wert derzeit jedoch rund 36 Prozent entfernt.
Analysten sehen erhebliches Aufwärtspotenzial
Analysten bewerten die fundamentale Lage von Coherent weiterhin positiv und sehen den jüngsten Rücksetzer als Chance. Die Experten von Jefferies haben ein Kursziel von 420 US-Dollar ausgegeben, während Morgan Stanley den Zielwert bei 375 US-Dollar ansetzt. Beide Häuser betonen die starke Marktposition bei optischen Verbindungen, die als einer der nächsten großen Engpässe in der KI-Infrastruktur gelten.
Das Management plant, bis zum Ende des Geschäftsjahres 2027 einen Quartalsumsatz von 3 Milliarden US-Dollar zu erreichen. Ein wichtiger Meilenstein hierfür soll die Einführung von CPO-Lösungen (Co-Packaged Optics) sein, deren erste nennenswerte Umsätze bereits für das im Dezember endende Quartal erwartet werden.
Mit mehr als 20 Produktionsstätten in den USA sieht sich das Unternehmen zudem gut aufgestellt, um von staatlichen Förderprogrammen und der steigenden Nachfrage nach lokaler Fertigungskapazität zu profitieren.
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