Öl, Strom, Gold — und jetzt Rechenleistung. CME Group bringt gemeinsam mit dem Datenanbieter Silicon Data zwei neue Terminkontrakte an den Markt, die erstmals den Preis für Grafikprozessoren abbilden, mit denen KI-Modelle trainiert und betrieben werden. Damit erschließt die Börse eine völlig neue Asset-Klasse.
Compute wird zur Commodity
Die geplanten Kontrakte sollen am 5. Oktober 2026 starten, vorbehaltlich der regulatorischen Prüfung. Sie basieren auf Indizes, die die stündlichen Mietkosten für Nvidias H100- und die neuere B200-Blackwell-Chips messen. Ein Kontrakt entspricht jeweils einem Monat Mietkosten für die entsprechende GPU-Generation.
Der Hintergrund: Wer heute GPU-Kapazität kauft, verhandelt oft im Blindflug. Zwei Unternehmen können für identische Rechenleistung völlig unterschiedliche Preise zahlen, ohne verlässlichen Vergleichsmaßstab. Genau diese Lücke sollen die neuen Futures schließen — Unternehmen könnten künftig ihre Compute-Kosten absichern, ähnlich wie es Fluggesellschaften mit Kerosin oder Stromversorger mit Energiepreisen tun.
Für CME Group ist der Schritt eine logische Erweiterung des Geschäftsmodells. Die Börse verdient an jedem gehandelten Kontrakt, unabhängig davon, ob der Basiswert Rohöl oder eben Rechenzeit ist. Je mehr Kapital in den Aufbau von KI-Infrastruktur fließt, desto größer wird potenziell auch der Bedarf an Absicherungsinstrumenten für genau diese Kosten.
Parallel läuft das Edelmetallgeschäft weiter
Während die Compute-Futures noch in der Zukunft liegen, zeigt sich im bestehenden Geschäft bereits, wie gut neue Handelsformate ankommen. Die im Juli gestarteten 24/7-Handelszeiten für die kleinformatigen 1-Ounce-Gold-Futures haben seit dem Start über 53.000 Kontrakte in den erweiterten Wochenend-Sessions umgesetzt, das entspricht rund 219 Millionen Dollar an Nominalvolumen.
Diesen Erfolg will CME Group nun auf Silber übertragen. Ab dem 11. September 2026 sollen auch die 100-Ounce-Silber-Futures rund um die Uhr handelbar sein, ebenfalls vorbehaltlich regulatorischer Freigabe. Das Metallgeschäft der Börse verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 mit täglich 1,3 Millionen gehandelten Kontrakten einen Rekord — ein Plus von 55 Prozent gegenüber dem Vorjahr, getrieben vor allem durch Edelmetalle.
Zwischen Gold, Silber und nun Rechenleistung zeichnet sich ein Muster ab: CME Group testet systematisch, wie sich etablierte Handelsformate auf neue oder bislang unterversorgte Märkte übertragen lassen. Ob die Compute-Futures im Oktober tatsächlich an den Start gehen, hängt von der ausstehenden regulatorischen Prüfung ab.
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