Besser als erwartet, und trotzdem rauschte die Cloudflare-Aktie nachbörslich um 16 Prozent nach unten. So sieht es aus, wenn der Markt nicht auf die Zahlen schaut, sondern auf das, was dahinter steckt.
Die Zahlen, die eigentlich gut waren
Für das erste Quartal 2026 meldete Cloudflare einen Umsatz von 639,8 Millionen Dollar, ein Plus von 34 Prozent gegenüber dem Vorjahr und deutlich mehr als die 622,6 Millionen, die Analysten erwartet hatten. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 0,25 Dollar, zwei Cent über der Schätzung. Für das Gesamtjahr hob das Unternehmen die bereinigte EPS-Prognose auf 1,19 bis 1,20 Dollar an, nach zuvor 1,11 bis 1,12 Dollar. Der Konsens hatte 1,13 Dollar erwartet.
Haken Nummer eins: Die bereinigte Bruttomarge fiel mit 72,8 Prozent deutlich hinter die erwarteten 75,1 Prozent zurück. Haken Nummer zwei kam kurz darauf.
1.100 Stellen weg, weil die KI es so will
Cloudflare baut rund 1.100 Stellen ab, gut 20 Prozent der gesamten Belegschaft. CEO Matthew Prince formulierte das im Earnings Call so: „Wir überdenken jeden internen Prozess, von Engineering über Finanzen bis Vertrieb, um ihn auf einem agentischen KI-Rückgrat auf unserer Workers-Plattform zu betreiben.“ Und dann der Satz, den Personalchefs weltweit gerade auswendig lernen: „Das ist keine Kostensenkungsmaßnahme und keine Beurteilung der Leistung einzelner Mitarbeiter.“
Man glaubt es ihm vielleicht sogar halb. Cloudflare meldete demnach, dass die interne KI-Nutzung im Unternehmen in den vergangenen drei Monaten um mehr als 600 Prozent gestiegen sei. „KI und Agenten sind bei Cloudflare keine Pilotprojekte mehr, sie sind jetzt ein zentraler Teil unserer Belegschaft“, so Prince. Die Restrukturierungskosten beziffert das Unternehmen auf 140 bis 150 Millionen Dollar für 2026, rund 40 Millionen davon nicht zahlungswirksam, der Großteil fällt im zweiten Quartal an.
Cloudflare Aktie Chart
Q2-Prognose: knapp daneben
Für das zweite Quartal erwartet Cloudflare einen Umsatz zwischen 664 und 665 Millionen Dollar. Die Konsensschätzung lag bei 666 Millionen Dollar. Ein Unterschied von einer Million bei einem Quartalsumsatz in dieser Größenordnung, und doch reichte es, um die Stimmung zu kippen. Der bereinigte EPS-Ausblick von 0,27 Dollar trifft die Erwartungen exakt.
KI als größter Rückenwind in der Unternehmensgeschichte
Prince sprach im Earnings Call von einem „fundamentalen Neuaufbau des Internets“ durch KI und bezeichnete die Entwicklung als „den größten Rückenwind, den Cloudflare je gesehen hat“. Das mag stimmen. Nur: Wer 20 Prozent seiner Belegschaft entlässt und gleichzeitig die Quartalsprognose um eine Million Dollar verfehlt, der muss sich nicht wundern, wenn der Markt den Rückenwind vorerst nicht spürt. 16 Prozent nachbörslich sind eine klare Antwort.
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