Der Gewinn bricht ein, die Aktie steigt trotzdem kräftig. Bei Clorox klaffen Quartalsbilanz und Kursreaktion an diesem Dienstag deutlich auseinander. Der Grund liegt tiefer als die nackten Zahlen — und heißt ERP-Umstellung und GOJO-Integration.
Q4-Zahlen zeigen erwarteten Einbruch
Im vierten Geschäftsquartal sank der Nettoumsatz auf 1,95 Milliarden Dollar, nach 1,99 Milliarden Dollar im Vorjahr. Der Nettogewinn fiel deutlich stärker, von 332 Millionen auf 163 Millionen Dollar, das Ergebnis je Aktie brach von 2,68 auf 1,34 Dollar ein. Bereinigt lag der Gewinn je Aktie bei 1,66 Dollar — leicht über den Erwartungen der Analysten, die im Schnitt mit 1,65 Dollar gerechnet hatten.
Der organische Umsatz sank sogar um 13 Prozent. Hauptursache war ein Basiseffekt aus der US-ERP-Umstellung im Vorjahr, als Clorox vorgezogene Lieferungen verbuchte. Die im April abgeschlossene Übernahme von GOJO Industries, seither als Clorox Purell mit der Marke Purell im Portfolio, steuerte rund zehn Prozentpunkte zum Quartalsumsatz bei, drückte aber über Lagerbewertungseffekte gleichzeitig auf die Marge. Die Bruttomarge fiel um 520 Basispunkte auf 41,3 Prozent.
Ausblick spaltet die Analysten
Für das Geschäftsjahr 2027 rechnet Clorox mit einem Umsatzplus von 13 bis 14 Prozent, wovon GOJO allein 9,5 Prozentpunkte beisteuern soll. Organisch peilt das Unternehmen ein Wachstum von 3,5 bis 4,5 Prozent an, beim bereinigten Ergebnis je Aktie eine Spanne von 5,70 bis 6,00 Dollar.
Die Reaktionen der Analystenhäuser fallen gegensätzlich aus. UBS hob das Kursziel auf 105 Dollar an und bewertet die Prognose als erreichbar — die organische Wachstumsvorgabe verlange keinen radikalen Bruch mit bisherigen Markttrends. Barclays sieht das skeptischer, senkte das Kursziel auf 84 Dollar und bemängelt Clorox‘ Strategie, Preiserhöhungen über die Marke Glad hinaus auszuweiten, während Wettbewerber eher auf Produktivitätssteigerungen setzen.
Ein Fixpunkt bleibt trotz der schwankenden Ergebnisse bestehen: Clorox hat die Dividende inzwischen 49 Jahre in Folge angehoben, aktuell liegt die Rendite bei 5,05 Prozent. Für Value-orientierte Anleger dürfte das ein Argument sein, auch wenn sechs Analysten ihre Gewinnschätzungen für das kommende Jahr zuletzt nach unten korrigiert haben.
Die Aktie notiert bei 101,13 Dollar, ein Plus von fast drei Prozent. Ob sich die optimistischere UBS-Einschätzung oder die vorsichtigere Haltung von Barclays als treffender erweist, dürfte sich an der tatsächlichen Umsetzung der ERP-Bereinigung und der GOJO-Integration im Laufe des Geschäftsjahres 2027 zeigen.
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