Citigroup öffnet heute die Bücher – ausgerechnet an einem Tag, an dem der Ölpreis wegen der eskalierenden Lage im Nahen Osten kräftig anzieht. Die Bank legt ihre Zahlen zum zweiten Quartal parallel zu JPMorgan, Bank of America, Wells Fargo und Goldman Sachs vor, mitten in einem Marktumfeld, das für Investoren kaum unruhiger sein könnte.
Gulf-Krise drückt auf die Stimmung
Auslöser ist die erneute US-Blockade iranischer Häfen samt einer Gebühr von 20 Prozent auf sämtliche Schiffsbewegungen durch die Straße von Hormus. Nach iranischen Angriffen auf Schiffe im Golf ist der Verkehr durch die Meerenge auf ein Zweimonatstief gefallen. Rohöl kletterte am Montag um mehr als 9 Prozent und notiert inzwischen wieder über 80 Dollar je Barrel – Niveaus, die zuletzt vor dem Waffenstillstand im Juni herrschten.
Citigroup-Aktien gerieten am Montag im Zuge dieser Eskalation unter Druck und gaben rund 2 Prozent nach. Der gesamte Bankensektor zog mit: Bank of America, Goldman Sachs, JPMorgan und Wells Fargo notierten ebenfalls tiefer. Anleger gewichten die geopolitische Lage derzeit offenbar stärker als die bevorstehenden Quartalsberichte selbst.
Inflation und Zinsdebatte als zweite Baustelle
Der Ölpreisanstieg trifft die Bank ausgerechnet an dem Tag, an dem auch der US-Verbraucherpreisindex für Juni veröffentlicht wird. Die Kerninflation dürfte weiterhin nahe 3 Prozent liegen. Fed-Gouverneur Christopher Waller deutete am Montag an, die Notenbank könnte kurzfristig zu Zinserhöhungen gezwungen sein, sollte die Teuerung über dem Zielwert verharren.
Terminmärkte preisen inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von 43 Prozent für einen Zinsschritt auf der Fed-Sitzung am 29. Juli ein, nach 34 Prozent am Vortag. Diese Neubewertung der Zinserwartungen kommt zu den ohnehin schon nervösen Energiemärkten hinzu.
Für Citigroup bedeutet das eine doppelte Belastungsprobe an einem einzigen Handelstag. Die Zahlen müssen zeigen, ob Handelserträge und Kreditqualität den Turbulenzen an den Energiemärkten und der wachsenden Zinsunsicherheit standhalten. Am Nachmittag tritt Fed-Chef Kevin Warsh erstmals vor dem zuständigen Kongressausschuss auf – seine Aussagen dürften unmittelbar in die Bewertung der heutigen Bankzahlen einfließen.
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