Mizuho sieht für Circle ein Risiko durch KI-Assistenten: Sie könnten Nutzer zu höher verzinsten und versicherten Alternativen lenken. Das Analysehaus bestätigte heute seine Einstufung „Underperform“ und setzte das Kursziel auf 43 US-Dollar. Die Circle-Aktie verliert heute -7,9%; damit begleitet deutlicher Verkaufsdruck die skeptische Einschätzung.
KI könnte die Reservebasis schwächen
Die Warnung betrifft nicht die technische Leistungsfähigkeit von USDC. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Frage, wo Nutzer ihr Geld halten. Wenn digitale Assistenten renditestärkere Angebote empfehlen, könnte das nach Einschätzung von Mizuho die Nachfrage nach Circles Stablecoin belasten.
Das Analysehaus beziffert die mögliche Belastung der USDC-Marktkapitalisierung auf 4–9 Milliarden US-Dollar. Für Circles Reserveeinnahmen sieht es dadurch ein Rückgangsrisiko von 10–20 %. Diese Größen sind ein Risikoszenario und keine bereits eingetretenen Geschäftseinbußen.
Für Anleger ist die Unterscheidung entscheidend: Mizuho beschreibt einen möglichen Wettbewerbsnachteil bei der Geldanlage. Die These setzt voraus, dass KI-Assistenten die Auswahl der Nutzer tatsächlich beeinflussen und diese auf andere Angebote ausweichen.
Mizuho senkte seine EBITDA-Prognose für 2027 um rund 5 %. Die neue Schätzung liegt nach Angaben des Hauses etwa 30 % unter dem Analystenkonsens. Die Skepsis betrifft damit nicht nur die Nachfrage nach USDC, sondern auch das erwartete operative Ergebnis.
Warum der USDC-Umlauf so wichtig ist
Circle erzielt den Großteil seiner Einnahmen aus den Zinsen auf die Reserven. Ein kleinerer USDC-Umlauf kann deshalb die Ertragsbasis schwächen. Genau diese Abhängigkeit macht die von Mizuho beschriebene Konkurrenz um Kundengelder für die Aktie relevant.
Im zweiten Quartal 2026 machten Reserveeinnahmen rund 95 % des Umsatzes aus. Die von Circle gemeldete Reserve-Rendite lag bei 3,48 %. Damit hängt das Geschäft stark von den Erträgen der hinterlegten Vermögenswerte ab.
Der Blick auf die jüngsten Ausgabe- und Rücknahmebewegungen liefert zusätzlichen Kontext. Er zeigt bereits einen rückläufigen Umlauf, belegt aber keinen Zusammenhang mit KI-Assistenten. Die aktuelle Entwicklung und Mizuhos mittelfristiges Szenario müssen daher getrennt betrachtet werden.
Circle meldete für die siebentägige Periode bis Donnerstag einen Rückgang des USDC-Umlaufs um etwa 500 Millionen auf rund 72 Milliarden USDC. Es war die zweite aufeinanderfolgende Berichtsperiode mit einem Rückgang dieser Größenordnung.
Ein sinkendes Stablecoin-Angebot allein zeigt allerdings weder den Verbleib der Gelder noch die Motive der Nutzer. Daraus lässt sich insbesondere nicht ableiten, dass Kunden bereits systematisch zu den von Mizuho genannten Alternativen wechseln.
Quartalsbericht als nächster Prüfstein
Am 4.11. legt Circle seinen Bericht zum dritten Quartal vor. Für Anleger wird dabei besonders wichtig, wie sich Reserveeinnahmen und USDC-Umlauf entwickelt haben. Diese Kennzahlen berühren unmittelbar die Grundlage der aktuellen Analystenkritik.
Der Bericht kann die jüngste Geschäftsentwicklung greifbarer machen. Ob KI-Assistenten tatsächlich zum strukturellen Wettbewerbsproblem werden, lässt sich daraus allein jedoch nicht beantworten. Vorerst stehen einer konkreten Prognosesenkung ein noch nicht belegter neuer Belastungsfaktor und die bereits sichtbare Schwäche beim USDC-Umlauf gegenüber.
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