Chiptester Teradyne – Ausverkauf ohne eigenen Fehler

Rekordquartale, 60% KI-Umsatz, 40% Kurspotenzial – und trotzdem minus 16%: Warum Teradyne in den Chip-Ausverkauf geraten ist.

Auf einen Blick:
  • Halbleiterindex verlor rund zehn Prozent
  • Teradyne-Aktie gab rund elf Prozent nach
  • KI-Nachfrage liefert über 60 Prozent des Umsatzes
  • Drittes Quartal: Umsatzprognose von 1,2 bis 1,3 Milliarden Dollar

Chip-Tester Teradyne: Ausverkauf ohne eigenen Fehler

Die Halbleiterbranche hat in der zurückliegenden Handelswoche einen scharfen Dämpfer erhalten. Der Philadelphia-Halbleiterindex, das Barometer mit den 30 wichtigsten US-Chipwerten, verlor rund 10% und erlebte damit seine schwächste Woche seit mehr als einem Jahr.

Mitgerissen wurde auch ein Unternehmen, das an der Börse weit weniger Aufmerksamkeit bekommt als Nvidia oder AMD, im Hintergrund aber an fast jedem modernen Chip mitverdient: Teradyne. Die Aktie gab rund 11% nach – in der Woche zuvor hatte sie noch 14,6% zugelegt. Wer das Unternehmen bislang nicht auf dem Zettel hatte, bekommt hier einen Überblick.

Teradyne im Portrait

Teradyne wurde 1960 in Massachusetts gegründet und ist heute einer der weltweit größten Hersteller von automatischen Testsystemen für Halbleiter. Das Geschäftsmodell ist einfach erklärt: Jeder Chip, der eine Fabrik verlässt, muss vorher auf Herz und Nieren geprüft werden – ob KI-Prozessor, Speicherbaustein oder Sensor im Smartphone.

Diese Prüfanlagen baut Teradyne. Die Kunden sind Chipdesigner und Auftragsfertiger, die ihre Produkte nur dann ausliefern können, wenn der Test bestanden ist. Je komplexer die Chips, desto aufwendiger und teurer der Test. Mit dem KI-Boom hat sich das Geschäft deshalb kräftig belebt: Über 60% des Konzernumsatzes stammen inzwischen direkt aus der Nachfrage nach Rechenleistung für künstliche Intelligenz.

Daneben betreibt Teradyne eine Robotik-Sparte, zu der unter anderem der dänische Hersteller von Roboterarmen Universal Robots gehört. Dieses Segment ist derzeit noch klein, gilt im Unternehmen aber als zweites Standbein für die Zeit, in der Fabriken und Lager zunehmend automatisiert werden.

Warum die Aktie gefallen ist

Aus der Branche selbst kam in der Schwächewoche kein Auslöser – keine Gewinnwarnung, keine geplatzte Bestellung, keine neuen Exportbeschränkungen. Der Druck kam vom Anleihemarkt. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte zeitweise über 5,3% und damit auf den höchsten Stand seit 2002, der Ölpreis hält sich hartnäckig über 100 Dollar und nährt die Inflationssorgen.

Steigende Zinsen treffen hoch bewertete Wachstumswerte am härtesten, weil künftige Gewinne abdiskontiert – also heute weniger wert – werden. Anleger schichteten deshalb aus den Chip-Gewinnern der vergangenen Monate in Zinsprofiteure wie Banken und in zurückgebliebene Sektoren wie Gesundheit und Industrie um. Teradyne traf das genauso wie Applied Materials oder Lam Research. Es war ein Bewertungs-, kein Geschäftsproblem.

Man könnte annehmen, dass ein Minus von 16% in einer Woche auf tiefere Risse hindeutet – doch das ist zu kurz gedacht. Seit den letzten Quartalszahlen Ende Juli steht die Aktie trotz des Rücksetzers noch immer gut 30% höher. Solche Ausschläge in beide Richtungen gehören bei Halbleiterwerten zum Geschäft wie die Boxenstopps zur Formel 1.

Rekordquartale in Serie

Operativ läuft es bei Teradyne so gut wie lange nicht. Die eigene Prognose wurde in diesem Jahr in jedem Quartal übertroffen, zweimal in Folge gelang ein Rekordquartal. Für das dritte Quartal, dessen Zahlen am 27. Oktober vorgelegt werden, stellt das Management 1,2 bis 1,3 Mrd. Dollar Umsatz und einen bereinigten Gewinn je Aktie zwischen 1,85 und 2,15 Dollar in Aussicht. Der Optionenmarkt preist für den Zahlentermin eine Kursbewegung von rund 13% ein – in welche Richtung, verrät er naturgemäß nicht.

Vorher gibt es allerdings einen wichtigen Fingerzeig: In dieser Woche startet die Berichtssaison, und bereits am Donnerstag legt der weltgrößte Auftragsfertiger TSMC seine Zahlen vor. Der taiwanische Konzern fertigt die Chips von Nvidia, Apple und AMD und gilt deshalb als Wegweiser für die komplette Branche. Fallen die Zahlen und vor allem der Ausblick stark aus, dürfte sich der Ausverkauf der Vorwoche schnell als Verschnaufpause entpuppen.

Zykliker bei Geschäftseintrübung sofort rausschmeißen

Das Testgeschäft bleibt zyklisch. Sollten die großen KI-Investoren – allen voran die Cloud-Konzerne – ihre Ausgaben drosseln, würde das Teradyne, zwar mit Verzögerung, aber sehr hart treffen. Nach dem starken Lauf seit Jahresbeginn sind die Erwartungen hoch, und Enttäuschungen werden in diesem Umfeld hart bestraft. Die vergangene Woche hat gezeigt, dass selbst geringfügig veränderte Annahmen zum Sektor die Branche belasten können.

2024 hatte der Speicherchip-Sektor eine solche Flaute erlebt, als die Testnachfrage breit einbrach. Es ging sehr tief in den Keller mit den Aktien und dauerte sehr lange, bis sich die Kurse wieder erholt hatten. Der Sockel, auf dem das Geschäft steht, ist mit dem KI-Zyklus jetzt zwar höher geworden, doch ein schneller Verkauf entsprechender Aktien nach wie vor geboten.

Ein Zulieferer, der von 2 Zukunftsmärkten profitiert

Teradyne steht an einer ungewöhnlichen Schnittstelle. Heute verdient der Konzern am KI-Boom, weil jeder leistungsfähige Chip vor dem Einsatz getestet werden muss. Morgen soll die noch vergleichsweise kleine Robotik-Sparte den nächsten Automatisierungsschub die Kasse füllen.

Der Kursrückschlag der vergangenen Woche hat an dieser Ausgangslage nichts verändert – billiger geworden ist lediglich der Preis, den die Börse für dieses Geschäft aufruft. Zum durchschnittlichen Analysten-Kursziel fehlen der Aktie inzwischen gut 40%, vor einer Woche waren es „nur“ 30%. Frische Geschäftszahlen am 27. Oktober werden zeigen, ob die Erwartungen des Marktes zu hoch waren oder der Rücksetzer schlicht zu früh kam. Die Aktie ist ein klassischer Fall von High Risk – High Reward.

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