Ein Ölkonzern mit Rekord-Cashflow, historisch hohen Raffineriegewinnen und einer Bewertung, die kaum über dem Niveau von Ende 2022 liegt — diese Kombination sorgt aktuell für ungewöhnlich hohe Optionsprämien bei Chevron. Der Grund liegt vor der eigenen Haustür: die anhaltende Unsicherheit rund um die Straße von Hormus.
Raffineriegeschäft auf Zehn-Jahres-Hoch
Chevrons Downstream-Sparte lieferte im zweiten Quartal 4,9 Milliarden Dollar Gewinn ab — der höchste Wert seit mehr als zehn Jahren. Möglich macht das die extreme Verknappung der globalen Raffineriekapazität: Der eingeschränkte Rohölfluss durch die Straße von Hormus, iranische Angriffe auf Raffinerien in der Golfregion und ukrainische Attacken auf russische Energieanlagen treiben die Margen branchenweit nach oben. Auch Konkurrent Exxon profitierte mit 5,5 Milliarden Dollar Downstream-Gewinn von diesem Umfeld.
Ob diese Sondersituation anhält, ist offen. Die sieben OPEC+-Staaten mit freiwilligen Förderkürzungen haben für September eine Produktionssteigerung von 188.000 Barrel pro Tag beschlossen — ein Signal, dass die Fördermenge schnell hochgefahren werden könnte, sobald sich die Lage am Golf entspannt. Zugleich mehren sich Hinweise auf eine mögliche Zwischenlösung zwischen Iran und Oman zur Kontrolle der Meerenge, was die Ölpreise zuletzt unter Druck brachte.
Bewertung bleibt trotz Cashflow-Rekord niedrig
Chevron erwirtschaftete im zuletzt berichteten Quartal mehr als 18 Milliarden Dollar freien Cashflow, notiert aber weiterhin unter dem 14-Fachen der erwarteten Jahresgewinne. Die Synergien aus der Hess-Übernahme — auf Jahresbasis mit 1,5 Milliarden Dollar veranschlagt — werden nach Unternehmensangaben schneller realisiert als ursprünglich geplant.
Belastend wirkt weiterhin das kalifornische Regulierungsumfeld. Chevron verlegt den Firmensitz von San Ramon nach Houston und prüft Berichten zufolge die Schließung von Raffinerien in Richmond und El Segundo. Für Einkommensorientierte bleibt die Aktie dennoch attraktiv: Bei einer Dividendenrendite von 3,8 Prozent und einem Fünf-Jahres-Wachstum der Ausschüttung von 5,8 Prozent zählt Chevron zu den Positionen mit dem besten Verhältnis aus laufendem Ertrag und Wachstum im Portfolio von Berkshire Hathaway.
Die hohe implizite Volatilität bei Chevron-Optionen spiegelt genau diese Gemengelage wider: Golf-Risiko auf der einen, Rekord-Cashflow auf der anderen Seite. Wie nachhaltig die aktuellen Raffineriemargen sind, hängt maßgeblich davon ab, wie sich die Lage an der Straße von Hormus in den kommenden Wochen entwickelt.
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